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    Adel verpflichtet

    Die Belgische Botschaft in Berlin

Eleganter Wandel: Detail der Botschaftsfassade. © Rüthnick Architekten, Foto: Hanns Joosten (www.hannsjoosten.de)

Die Jägerstraße in Berlin ist das traditionelle Schaffensgebiet der Familie Mendelssohn, deren Wohn- und Geschäftsgebäude bis heute zu sehen sind. Durch Kriegszerstörungen hielt auch hier die Platte Einzug. Mit überraschenden Wendungen, wie die Botschaft des Königreichs Belgien beweist.

Von Mendelssohn bis Stasi

Seit 1913 nutzte Belgien das Haus Jägerstraße 53 als Botschaftsgebäude. 1938 wurde ein Nachbarhaus aus dem Besitz der Familie Mendelssohn erworben und die Repräsentanz damit erweitert. Beide Häuser fielen dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Ab 1966 errichtete die DDR an dieser Stelle einen fünfgeschossigen Plattenbau, in welchem die Staatssicherheit (Stasi) untergebracht war.

Zurück in die Zukunft - in anthrazit & orange

Das änderte sich mit der politischen Wende 1989, der Bezirk Berlin-Mitte zog mit dem Gesundheitsamt ein. Das Königreich Belgien wollte währenddessen zurück an den alten Standort am Gendarmenmarkt und kaufte das Grundstück erneut. Anstatt den Plattenbau abzureißen, wurde das Potenzial des Gebäudes genutzt – ab 1999 gestaltete das Architekturbüro  Rüthnick Architekten Ingenieure das Haus völlig um.

Die Bauarbeiten dauerten von 2000 bis 2001 und kosteten rund 4,1 Millionen Euro. Die Konstruktion des Plattenbaus wurde übernommen. Zur Straßenseite erhielt die Fassade anthrazitfarbenen Putz. Die Fenster, den Reihen der Plattenbauweise nachempfunden, sitzen in hervortretenden hellgrauen Blechrahmen. Der Konferenzraum fällt durch eine breite Fensterreihe auf. Besonderes Merkmal sind die Fassaden-Elemente in leuchtendem Orange: Sowohl der Balkon der Hausmeisterwohnung, als auch die Säulen am Eingangsportal geben dem Haus eine warme Note.  

Glas, Galerie und Sprechblase

Die Rückseite des Hauses erhielt große Fensterfronten und einen hellen Anstrich, um Licht in den Hof zu bringen. Dort befindet sich auch ein herausstechender Neubau: Elliptisch und orange nimmt der eingeschossige Veranstaltungsbereich dem Hauptgebäude die Strenge. Der runde Raum im Garten wird passend „Sprechblase“ genannt.

Die Innenraumgestaltung ist funktional und den Nutzungen angepasst. Besonders schön ist das lichtdurchflutete Foyer gestaltet, welches sich über zwei Stockwerke erstreckt. Es wird im 1. OG von einer Galerie überspannt, von der aus der Blick über den Eingangsbereich schweift. Neben zahlreichen zeitgenössischen Kunstwerken befindet sich im Foyer das Messingschild des kriegszerstörten alten Botschaftsgebäudes. Es wurde von den DDR-Behörden sichergestellt und nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen dem Sohn des letzten belgischen Botschafters übereicht.

 

Botschaft des Königreichs Belgien
Jägerstraße 52/53, 10117 Berlin

 

Links & Infos:

 

 

 

 

Glas, Galerie und Sprechblase