• Brigitte Kühne

    Brigitte Kühne

    Fassade & Farbe

"Rosa in Verbindung mit Gelb geht gar nicht."

Brigitte Kühne ist studierte Farbgestalterin. Ob die DDR wirklich nur grau war und welche Farbe nicht ihre Lieblingsfarbe ist ... Im Interview erzählt sie über ihre Arbeit.

Frau Kühne...

... was waren ihre Aufgaben als Farbgestalterin?

Brigitte Kühne: Das war ein DDR-Beruf, den es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Genau nannte sich die Ausbildung Farb- und Oberflächengestaltung. Ich habe nach dem Studium in Rostock angefangen, im damaligen Büro für Stadtplanung. Vereinfacht gesagt waren wir für alle Farben in der Stadt zuständig - vor allem in der Rostocker Innenstadt und in Warnemünde. Alles, was dort mit Farbe zu tun hatte, wurde mit uns abgesprochen. Darunter waren auch Konzepte für ganze Straßenzüge und wir hatten dabei weitgehend freie Hand - von Sachen wie Denkmalschutz mal abgesehen.

Im Mittelpunkt des DDR-Wohnbaus stand allerdings der Plattenbau...

BK: Ja, zu dieser Zeit sind auch die Plattenbausiedlungen entstanden, hier in Rostock sind es sieben. Diese wurden vom Wohnungsbaukombinat geplant und gebaut. Die Rostocker hatten dabei einen gewissen Ehrgeiz, mit minimalen finanziellen Mitteln ein Maximum an Gestaltung zu erreichen. Sie haben es zumindest versucht. Die verwendeten Materialien waren Klinker und Waschputz sowie die Farbe Weiß. Letztere war eine Vorgabe, die man sich selbst gemacht hat, um etwas typisch Norddeutsches einfließen zu lassen. Man hat aber auch mit Künstlern versucht, die Monotonie zu durchbrechen.

Hatten die Platten eine Auswirkung auf die Altbauten?

BK: Ja, aber keine besonders gute. Das ganze Geld floss ja in die Neubauten und viele Gebäude in der schönen Innenstadt verfielen und waren nicht mehr bewohnbar. Meiner Familie ging das auch so. Wir haben im Altbau gewohnt und waren dann heilfroh, als wir in die Platte ziehen konnten. Die bot etliche echte Verbesserungen: Fernheizung oder Warmwasser aus der Wand etwa. Als junge Familie wollte man diesen Wohnstandard auch deshalb, weil es Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe gab.

Nach der Wende...

BK: ... bestand vor allem die Frage, wie das mit der Wärmedämmung funktioniert. Es gab ja neue Richtlinien. Außerdem wollten die Menschen auf einmal nicht mehr das ganze Grau sehen. Wir Farbgestalter hatten aber zuvor nie mit der Platte etwas zu tun gehabt. Nach der Wende wollten die Architekten, die die Platten gebaut haben, dafür aber keine Verantwortung mehr übernehmen. Das Thema war einfach zu komplex geworden. Das große Problem in Rostock war, dass die Gebäude auf zehn verschiedene Genossenschaften übertragen worden sind, und leider nicht als - auch gestalterische - Gesamtheit. Eine Verwaltung hatte zwei oder drei Eingänge, und dann kam schon die nächste. Natürlich wollte jede Genossenschaft sanieren und etwas anderes machen. Da eine gestalterische Einheit zu behalten war für uns nicht leicht, ja unmöglich.

War die DDR wirklich nur grau?

BK: Wenn man sich die Fassaden von heute als Vergleich nimmt, dann war sie das zweifellos. Aber bunt ist auch nicht unbedingt besser: Die Leute nehmen beispielsweise einfach ein Gelb oder Blau, selbst wenn das weder historisch zum Gebäude passt, noch zum Ort. Der Eindruck, dass die DDR grau war, kommt aber auch daher, dass ganze Straßenzüge einfach verfielen. Sie lagen nicht unmittelbar im Zentrum und deshalb war für sie kein Geld da. Das war dann natürlich sehr grau und trostlos.

Gab es wirtschaftliche Begrenzungen? Konnten Sie bei der Farbauswahl überhaupt aus dem Vollen schöpfen?

BK: Es gab schon Farben, Pigmente und Materialien, aber nur ganz wenige Produkte. Heute geht man in einen Laden und lässt sich mit einer Maschine die Farben zusammenmischen. Wir haben noch vor Ort mit den Malern die Farben in großen Kübeln abgemischt. Allerdings war die Qualität der Malerarbeiten meistens sehr schlecht. Das was man heute erwartet, dass etwa ein Untergrund gesäubert und vorbehandelt wird, wurde nicht gemacht. Man strich die Farbe einfach über den Dreck, und das hielt natürlich nicht lange.

Hatten Sie so etwas wie eine Lieblingsfarbe?

BK: So etwas darf man als Farbgestalter gar nicht haben! Man muss den Ort anschauen, die Fassadenstruktur, ihr Alter, also ganz viele Dinge. Eines kann ich aber zum Thema Lieblingsfarbe sagen: Es ist kein Rosa! Das ist heute ja wieder sehr beliebt. Eigenheim-Bauer streichen unwahrscheinlich gerne rosa. Ich muss da immer beide Augen zumachen. Und dann oft auch noch in Verbindung mit Gelb! Das geht überhaupt nicht...

Beruflich hatten sie beim Thema Farbe im Außenbereich zu tun. Wie war der Umgang damit im Inneren?

BK: Wir wollten es uns so gemütlich wie möglich machen. Die Platte war ja sehr strukturiert: Gerade und eckig, mit viel Beton. Als wir nach der Wende ein Haus gebaut haben, haben wir sehr viel Holz eingesetzt. Das war in der DDR nämlich sehr knapp. Unser Haus ist sehr klein, da kann man nicht mit starken Farben arbeiten. Wenn man uns besucht, dann denkt man sich wohl: "Hier wohnt eine Farbgestalterin? Wo sind dann die Farben?" Die kommt aber durch Details herein, etwa durch selbst gemalte Bilder. Das gilt übrigens für Innen wie für Außen. Bei Plattenbauten hat man oft versucht, ganze Siedlungen großflächig mit kräftigen Farben und Muster zu "verbessern". Erreicht hat man das Gegenteil. Mit Details geht das dagegen viel besser, also beispielsweise bei Balkonen.


TIPP

Unsere Plattengalerie über Rostock.