• Bruno Flierl

    Städtebau / Kritik

"Lebe und mach wat draus."

Der kurze Portraitfilm führt über die Arbeitsphilosophie von Bruno Flierlzu Ausblicken in das staatliche Wohnungsbauprogramm des Plattenbaus. Bruno Flierl gilt als einer der profiliertesten Theoretiker und Autoren für Architektur und Städtebau in Berlin. Am Pariser Platz nahm Flierl seinen vielleicht deutlichsten Einfluss auf die bundesdeutsche Hauptstadt: Rund um das Brandenburger Tor hat er die Gestaltungsvorgaben für die Neubebauung nach dem Mauerfall ausgearbeitet.

Von Ostmoderne bis Planwerk

Andererseits konnte sein Alleingang für den Erhalt des Palastes der Republik dem politischen Entschluss zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses nicht standhalten. Sichtbare Mitwirkung in der Berliner Stadtplanung, aber auch Lücken durch das klanglose Verschwinden von Ostmoderne im Stadtbild Berlins hat der 1927 in Bunzlau geborene Sohn eines links eingestellten Architekten gleichermaßen erfahren. Als Bücher sind von Flierl zuletzt erschienen; "Berlin - Die neue Mitte: Texte zur Stadtentwicklung seit 1990" (2010) sowie ein Beitrag in "Berlin plant: Plädoyer für ein Planwerk Innenstadt Berlin 2.0" (2010).

Kritisch Denken für Architektur und Gesellschaft

Das Studium der Architektur begann Flierl nach französischer Kriegsgefangenschaft im Jahr 1948 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg. Als seinerzeit überzeugter Kommunist siedelte Flierl zwei Jahre später nach Ostberlin über. Das Diplom erhielt er von der Bauhaus-Universität Weimar.

Nachdem Flierl Anfang der 1960er Jahre in seiner Funktion als Chefredakteur der Zeitschrift  „Deutsche Architektur“ versuchte, auch kritisch über den Städtebau zu berichten, geriet er in Konflikte mit der SED. Nach seiner Kündigung folgten jedoch erneut leitende Positionen, die Flierl als Forscher an der Bauakademie der DDR einnahm. Dort promovierte er 1972 zum Dr.-Ing. und lehrte zugleich an der Humboldt-Universität. „Kritisch Denken für Architektur und Gesellschaft“ heißt die Arbeitsbiographie und Werkdokumentation des bis heute unermüdlichen Architekturkritikers, der sich auch aktiv der Baukunst gewidmet hat.

Zu DDR-Zeiten war Flierl Vorsitzender der Zentralen Arbeitsgruppe „Architektur und bildende Kunst“ des Bundes der Architekten (BdA) und des Verbandes Bildender Künstler. Sein Sohn Thomas folgte etwas später auf politischer Ebene in das gesellschaftliche Berlin und hielt das Amt des Kultursenators inne.

Die platten Qualitäten des Plattenbaus kritisieren

Den Plattenbau als maßgebliches Wohnungsbauprogramm der ehemaligen DDR sieht Flierl dort als gesellschaftlich akzeptiert, wo der Plattenbau nicht zur Verarmung der Wohnqualität führt, sondern sich reich und wandelbar gestaltet. Wo hingegen Monotonie und fehlende Flexibilität dominieren – also Wohnungsbauten fertig geliefert werden – betrachtet Flierl auch die Lösung des Lebens als fertig. „Das Leben muss offen bleiben“, gibt der Architekturkritiker daher denjenigen als Impuls mit, die sich um Entwicklungen des Plattenbaubestandes im Sinne eines nachhaltigen Wertes bemühen.