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    Wiederaufbau im Wendischen Viertel

Die zweisprachige Lausitzmetropole Cottbus / (niedersorbisch) Chóśebuz ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Niederlausitz/Spreewald, etwa 100 km südöstlich von Berlin. Im zweiten Weltkrieg teils zerstört, wuchs Cottbus als Bezirkhauptstadt in der DDR stark an und wurde auch sozialistisch wieder aufgebaut. Doch ab den 1980er Jahren besann man sich zurück auf die schöne Altstadt. Für Cottbus wurde eine eigene Plattenbauserie entworfen, die sich harmonisch zwischen die Barock- und Gründerzeithäuser des historischen Zentrums einfügt.

Neue Altstadt

Das Wendische Viertel in der Cottbuser Innenstadt, im Zweiten Weltkrieg zu Zweidritteln zerstört und danach stark vernachlässigt, wurde 1984/89 auf historischem Stadtgrundriss zwischen Berliner Platz und Oberkirchplatz neu errichtet. Entwurfsarchitekten vom WBK Cottbus waren W. Fichte, H.-G. Richter und J. Franke.

In überwiegend vier- und fünfgeschossiger Plattenbauweise des speziell für diese Projekt entwickelten Plattenbautyps IBN 80 C wurden bei teilweiser Funktionsunterlagerung mit infrastrukturellen Einrichtungen etwa 450 Wohneinheiten gebaut. Hervorzuheben ist die voll montagefähige Mansarddachkonstruktion. Die Wände wurden mit Marmor oder Porphyr als Oberflächenmaterial besplittet, ergänzt durch Meißner oder Crinitzer ornamental oder friesartig angeordneter Baukeramik.

Detailverliebt mit Kunst am Bau

Plastizität erhielten die Gebäude durch sechs Zentimeter tiefe Rücksprünge in den Längswänden sowie altstadttypische Fassadenstruktur mit hochstehenden Fensterformaten verschiedener Größe. Einige großformatige Kunstwerke sorbischer und deutscher Künstler sind an den Giebelwänden zu entdecken.

Vor den Toren: Hochhäuser zu Stadtvillen

Am Übergang der Großsiedlung Sachsendorf zu einer angrenzenden Einfamilienhaussiedlung wurden zwei von drei Plattenbauhochhäusern saniert und aufgewertet. Aus den Plattenelementen des dritten Plattenbaus wurden nach und nach fünf zwei- bis dreigeschossige Stadtvillen errichtet. Im Erscheinungsbild der neuen Häuser sollte das Baumaterial "Platte" erkennbar bleiben. Ein Drittel der Bauteile des Hochhauses konnten hier Verwendung finden. Insgesamt entstanden 13 unterschiedliche Etagen- und Maisonette-Wohnungen mit Gärten, Balkonen und Dachterrassen.


TIPPS

  • Film Wiederaufbau Cottbusser Altstadt
    Architekt Hansgeorg Richter war einer der Gestalter der "neuen" Cottbusser Altstadt.
    PLATTENKÖPFE - Hansgeorg Richter

  • Film Wiederverwendung von Plattenbauteilen
    Angelika Mettke lehrt an der Universität Cottbus-Senftenberg und haucht alten Plattenbauten erfrischend neues Leben ein.
    PLATTENKÖPFE - Angelika Mettke


Quellen

  • Architekturführer Cottbus
  • Architektur der DDR, Ausgaben 3/1986 und 10/1988
  • Interview mit Hansgeorg Richter in Cottbus im März 2014
  • Projekt 21: Großsiedlung Sachsendorf-Madlow - Neues Leben in alter Platte


Redaktion: Anja Thompson