• Die Fünfziger Jahre

    „Hell, bunt und freundlich“

    Möbel in der DDR - Die Fünfziger Jahre

Alles begann 1952 mit einem Möbelwettbewerb, den die ein Jahr zuvor gegründete Deutsche Bauakademie auslobte. Trotzdem existierte 1953 kaum etwas, das den neuen modernen Wohnungen entsprach. Die Bauakademie wollte eine Raumgestaltung forcieren, die sozialistisch in ihrem Inhalt und national in ihrer Form sei. Nicht Zweck und Hygiene sollten das Maß aller Dinge sein, sondern der "Formenschatz des nationalen Erbes" im Stil von Renaissance, Barock und Rokoko, Klassizismus, Biedermeier und Chippendale.

Der Renner - Funktionsmöbel der 1930er

Zu der Zeit hatten einzig die Deutschen Werkstätten Hellerau schlichte und funktionale Möbel im Sortiment. So wurde das Modell 582 von Bruno Paul 1953 am meisten gekauft. Es handelte sich um ein Anbaumöbel, das Paul bereits in den 1930er Jahren als „Wachsende Wohnung“ entworfen hatte. Seine Formgebung leitete er in erster Linie aus der Funktion ab. Möbel ohne Profilierung und künstlerische Gestaltung passten jedoch nicht ins sozialistische Erziehungskonzept und wurden als formalistisch abgelehnt. Anbaumöbel in der Tradition des sozialen Wohnungsbaus der 1920er Jahre widerstrebten auch deshalb den DDR-Oberen, weil sie einem internationalen Stil entsprachen. Doch das große Interesse in der Bevölkerung an diesen Möbeln, unter anderen bei „gesellschaftliche Bedarfsträgern“ aus der Deutschen Bauakademie, dem Ministerium des Innern, dem Kulturbund und der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, sprach für dessen Qualitäten.

Massenproduktion

Mitte der 1950er Jahre setzen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dem Debakel ein Ende. Die Forderungen nach einer Massenproduktion von Konsumgütern entzogen von nun an der an Handwerk und Tradition orientierten Formensprache den Boden. Zeitschriften wie "Kultur im Heim" berichteten ab jetzt auch über vorbildliches westdeutsches und westeuropäisches Möbelschaffen, das vormals als dekadent galt.

Prinzip Plattenbau

Das erste in Serie produzierte, sogenannte „komplettierungsfähiger Einzelmöbel“ war das Modell 602 von Franz Ehrlich, wie Paul Brunos „Wachsende Wohnung“ entworfen für die Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden. Theoretisch konnte der Hersteller aus den Teilen 1.177 Varianten von Einzelmöbeln erstellen, obwohl das Modell nur aus zwei Grundelementen bestand. Damit entsprachen die Behältnismöbel dem aktuellen industriellen Baustil: dem Plattenbau.


Quellen

Hirdina, Heinz, Gestalten für die Serie, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1988

Höhne, Günter, DDR-Design, Komet Verlag, Köln 2006

Freytag, Claudia, Neue Städte - neues Wohnen. "Vorbildliche Wohnkultur" in Wolfsburg und Stalinstadt, Katalog der Ausstellung „Aufbau West, Aufbau Ost“, Deutsches Historisches Museum 1997

 

Link

Deutsche Fotothek - Möbelarchiv Weimer

Günter Höhnes Industrieform DDR