• Die Sechziger Jahre

    Kombinieren, Variieren, Montieren

    Möbel in der DDR - Die Sechziger Jahre

Ab den 1960er Jahren setzten sich auch in der DDR nach und nach Typensätze, Systemmöbel und Baukastenprogramme durch. Kombinieren, variieren, montieren – das waren die Leitbegriffe für die Möbelgestaltung in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre.

Bereits das nach skandinavischen Vorbild geschaffene Programm „Sibylle“ ermöglichte es ab 1961 unterschiedliche Behältnis- und Wohnfunktionen individuell und variabel in einem Möbelteil zu vereinen. Die Größenverhältnisse sind an die Maße des Plattenbaus angepasst und auch in der Höhe variabel. Das System ist heute noch in vielen Wohnungen in Benutzung. „Es ist schwer zu bekommen, weil die Leute es nicht hergeben“, sagt DDR-Design-Experte Günter Höhne.

Vom Kasten zur Platte

Das von Rudolf Horn 1964 gestaltete Anbauprogramm Leipzig 4 ermöglichte es, verschiedene Möbelkörper zu kombinieren und unterschiedlich zusammenzusetzen, dem Prinzip von Bruno Pauls „Wachsender Wohnung“ folgend. Leipzig 4 war ein weit verbreitetes und begehrtes Möbelprogramm. Rudolf Horn ging allerdings noch einen Schritt weiter: Zwei Jahre später setzte er gemeinsam mit Eberhard Wüstner einen viel radikaleren Ansatz um - das Montagemöbel-Programm MDW, das nur noch aus einzelnen Platten bestand, die zu Möbelkörpern und -wänden zusammengesetzt werden konnten.

Im gleichen Jahr stellte Hellfried Lack einen vierteiligen Kleinmöbelsatz vor, dessen Teile, wenn sie als Arbeitsplatz nicht gebraucht wurden, platzsparend ineinander geschoben werden konnten.

Dem MDW-Programm folgend kamen weitere Systemmöbel auf den Markt. Beispielsweise das Themasett-System, ein Skelettmöbel, dessen Füllflächen eingeschoben werden und dessen Montage teilweise in der Produktion geschah. Sosehr die variablen Möbelsysteme den Gefallen der Nutzer fanden, dem Handel waren die Bretterpakete und Sonderlösungen eher lästig. Deshalb ging die Entwicklung Ende der 1960er Jahre in eine andere Richtung weiter. Statt variabler Möbelprogramme, die ein Gesamtgefüge mit dem Raum bilden, setzte sich die Schrankwand durch: der vor die Wand gestellte Stauraum.

Schöner Schein

Im Bereich der Leuchtkörper hebt sich in den 1960er Jahren ein Entwurf von der Masse ab: die schlichte Stehlampe „Kontrast“. Der Hersteller VEB Leuchtenbau Lengefeld zweifelte selbst am Erfolg von „diesem Ding“ und plante nur eine geringe Stückzahl ein. Die Produktion wurde jedoch durchgängig gefahren bis ins Jahr 1975 hinein, in dem ganze 11.000 Stück hergestellt wurden. Die DDR-Bürger hatten das Glück, dass das Produkt hauptsächlich auf dem Binnenmarkt landete, was nicht bei allen Design-Objekten der Fall war. Trotz farbig gestalteter Varianten entschieden sich die Kunden mehrheitlich für die originale, schlicht-weiße Ausführung.

 

Quellen

Hirdina, Heinz, Gestalten für die Serie, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1988

Höhne, Günter, DDR-Design, Komet Verlag, Köln 2006

Kultur im Heim, 1962

 

Links

Deutsche Fotothek - Möbelarchiv Weimer

Günter Höhnes Industrieform DDR