• Grabungsstädte

    Grabungsstädte

    Zum Vorschein gebracht.

© Dagmar Schmidt

Was passiert, wenn Städte schrumpfen, Wohnbauten nicht mehr gebraucht werden, und damit Geschichten und (Wohn-) Kultur verschwinden? Die Künstlerin Dagmar Schmidt setzte ein Denkmal in die Landschaft, um zu erinnern: an das, was war. Und das, was ist.

Das betonierte Zuhause

Mitten im Wohngebiet Halle-Silberhöhe stößt der Spaziergänger auf einen offengelegten Wohnkomplex: Sechs möblierte Wohnungen ragen rund einen Meter aus dem Boden. Küche, Wohnzimmereinrichtung, Hauseingänge. Relikte eines abgerissenen 6-Geschossers des Plattenbautyps P2. Alles ist in Beton gegossen, die originalen Kellerwände des ehemaligen Hauses bilden die Räume. Die Bodenskulptur ist begehbar, der Betrachter kann nicht nur schauen - er kann sich an einen Tisch setzen oder auf ein Sofa, er kann sich an den Herd stellen oder bei Bedarf auch in die Badewanne legen. Ganz wie zu Hause. In einer GRABUNGSSTÄDTE.

Das Vergangene bleibt real, die Wohnkultur des 20. Jahrhunderts gegenwärtig. Dagmar Schmidt bezieht ihre Installation nicht allein auf Halle oder Ostdeutschland. Sie sieht die GRABUNGSSTÄDTE als Ausdruck einer Lebens- und Wohnform, die in Europa und der Welt sehr verbreitet ist.

Warum Grabungsstädte (mit dt)?

Weil das Kunstwerk nicht nur einen bestimmten kulturellen Ort symbolisiert, sondern die Siedlungen und Städte, in denen wir wohnen, in denen wir leben. Der private Wohnraum, normalerweise verschlossen, tritt in die Öffentlichkeit. Er wird sichtbar, erfahrbar. Die Erinnerung an verschwundene und gleichzeitig aktuelle Wohnkultur, in Beton verewigt, rückt damit in greifbare Nähe.

Zahlen & Infos

GRABUNGSSTÄDTE - eine begehbare Bodeninstallation in den Maßen 36 x 12 x 1 m. Sie besteht aus Betonguss und der Wiederverwendung von Fertigteilen eines abgerissenen P2-Hauses. Entstanden ab dem Jahr 2003, wurde das Kunstwerk am 21. Oktober 2005 eröffnet. Zu sehen ist GRABUNGSSTÄDTE in der Erich-Kästner-Straße in Halle (Saale), Stadtteil Silberhöhe. Dagmar Schmidts Kunstwerk wurde 2006 mit dem "mfi Preis Kunst am Bau" ausgezeichnet.