• Neue Holzhaut aus der Fabrik

    Neue Holzhaut aus der Fabrik

    Älteste Schweizer Plattenbausiedlung saniert

Die Plattenbaugeschichte der Schweiz begann in einem Bauerndorf mit 440 Einwohner. 1967 baute der Bauunternehmer Ernst Göhner, der heute als Vater der Schweizer Plattenbauten gilt, hier eine seiner ersten Siedlungen in die hügelige Landschaft - den Langacher mit 87 Wohnungen in sechs dreigeschossigen Gebäuden (siehe auch Göhner Wohnen). Weitere Siedlungen folgten, womit das Bauerndorf sich innerhalb von nur zehn Jahren zu einer Gemeinde mit der zehnfachen Einwohnerzahl entwickelte. Als letzte Siedlung in Greifensee wurde der Langacher im Jahr 2011 saniert, über 40 Jahre nach seiner Errichtung.

Holzfassade und Jahreszeitenzimmer

Ganz im Sinne der ursprünglichen Plattenbaukonstruktion ging auch die Sanierung vor sich - mit Fassadenpanelen aus Holz, die der Siedlung ein gänzlich neues Antlitz verleihen. Die hochgedämmten Holzbauteile für die insgesamt 585 laufenden Meter neuer Fassade wurden in einer Fabrik vorgefertigt. Einen Abbruch der Wohnhäuser zogen die Eigentümer der Siedlung nicht in Betracht. Im Gegenteil: Mit der Sanierung soll die Siedlung für weitere 40 Jahre fit gemacht werden.

 

Neben der neuen, hochgedämmten Fassade planten die Architekten eine bessere Isolierung von Dächern, Kellerdecken und Gebäudesockeln. Dabei wurde die bestehende drei bis vier Zentimeter dicke Wärmedämmung durch eine dem Schweizer Minergiestandard entsprechende 24 Zentimeter dicke Dämmschicht ersetzt und mit Holz verkleidet. Auch die Balkone, die traditionell den Schwachpunkt in Sachen Wärmebrücken bilden, sind nun in die dämmende Gebäudehülle eingeschlossen. Mit Hilfe von Glasfaltfenstern erweiterten die Architekten diese zu sogenannten Jahreszeitenzimmern. Für die kalten Monaten gewinnen die Bewohner damit einen Raum hinzu und sobald es draußen warm genug ist, lassen sich die Glasfaltwände auf der gesamten Breite öffnen.

Schnelle Montage durch Vorfertigung

Fünf Monate lang hat ein lokaler Holzbaubetrieb auf zwei Fertigungstraßen die insgesamt 4.500 m2 Außenwandelemente hergestellt. Vor Ort wurden zuerst die Betonfugen an den bestehenden Gebäuden dampfdicht abgeklebt. Dann kamen die Bohrungen für die Befestigung der neuen Fassadenemente dran. Dafür bohrten die Monteure in jedem Geschoss alle zwei Meter ein Loch, in das sie jeweils eine Gewindestange einleimten.

 

Das Gewicht des neuen, 29 Zentimeter dicken Fassadenpakets trägt ein speziell angefertigter, verzinkter Stahlschuh im Erdgeschoss. Darauf wurden die vorfabrizierten Wandelemente abgesetzt, zusätzlich sind sie mit Winkeln an die Betonfassade angeschlossen. Die Montage ging schnell, da die Anschlusspunkte schon eingeleimt waren.

 

Die Außenfensterfutter wurden ebenfalls im Werk vorgefertigt auf die Baustelle gebracht. Sobald diese montiert waren, konnten die Altfenster durch gut gedämmte Minergie-Fenster ersetzt werden. Insgesamt wurden in den sechs Gebäuden 580 neue Fenster eingebaut. Sogar die überdachten Hauseingänge wurden gedämmt und mit Holz verkleidet. Bereits nach sechs Monaten waren die Holzbauarbeiten inklusive Austausch der Fenster und Umbau der Balkone in Jahreszeitenzimmer abgeschlossen. Die Erneuerung der Steigleitungen, Küchen und Bäder, sowie der Einbau einer Lüftungsanlage erfolgte im zweiten Bauabschnitt.

 

Das Projekt hat die Jury des Prix Lignum überzeugt, die alle drei Jahre herausragende Schweizer Holzbauten auszeichnet. Im Jahr 2012 erhielt die Dietrich Schwarz Architekten AG den zweiten Preis in der Region Nord.

 

Links

 

Dietrich Schwarz Architekten AG, Zürich

 

Unser Literatur-Tipp

Göhner Wohnen - Wachstumseuphorie und Plattenbau