• Open-Air-Galerie in Danzig

    Open-Air-Galerie in Danzig

    Wandbilder auf Plattenbauten

Zaspa ist ein bedeutsamer Ort in der polnischen Geschichte. In dieser Danziger Plattenbausiedlung lebte Gewerkschaftsführer Lech Wałęsa, als er 1980 den Streik anführte, hier nahm er später auch den Friedensnobelpreis entgegen. 1987 fand die Papst-Messe in Zaspa statt. Heute ist die Wohnsiedlung eine der größten Open-Air-Galerien der Welt.

Im Rahmen des „Monumental Art Festival“ wurden insgesamt 45 großformatige Kunstwerke auf den Seitenwänden der Wohnblocks geschaffen. Weitere werden hinzukommen, denn jeden Sommer lädt die Festivalleitung polnische und ausländische Künstler ein, sich hier zu verewigen.

Landmark

Auf einem riesigen ehemaligen Flugfeld nahe der Küste angesiedelt, schien es in den 1970er Jahren, als könne nichts die Kreativität der planenden Architekten aufhalten. Leider wurde Zaspa (dt.: Schneewehe) dann doch nicht der perfekte städtische Organismus, sondern im Gegenteil ein Ameisenhaufen, dominiert von Betonblöcken. Es war schwierig, sich in dieser Großwohnsiedlung mit 30.000 Einwohnern zu orientieren, weil die quasi immer gleichen Gebäude in Achtecken angeordnet sind.

Die künstlerischen Wandbilder gelten mittlerweile als Zaspa´s Landmark - ihr Wahrzeichen. Durch die großen, freien Flächen rund um die Wohnblocks wirken die Gemälde besonders stark. Sie geben den Gebäuden eine Identität und den Bewohnern Orientierung. Das Wandbilder-Projekt bringt auch neue lokale und soziale Impulse nach Zaspa. Die Kunst belebt den öffentlichen Raum im Wohngebiet und wird zum Alltagselement. Sie bezieht die Bewohner in das kulturelle Leben ihres Viertels ein. So werden beispielsweise im Projekt „Local Guides“ ansässige Freiwillige geschult, Besucher durch die Open-Air-Galerie zu führen.

Wie alles begann

Die ersten Wandmalereien entstanden 1997 dank Rafał Roskowiński, der aus Anlass des 1000-jährigen Bestehens der Stadt Danzig ein internationales Festival der Wandmalerei organisierte. Die Idee, Zaspa zu einer der größten Outdoor-Galerien der Welt zu machen, wurde 2009 wieder aufgegriffen - als Teil des Danziger Beitrags zum Wettbewerb „European Capital of Culture 2016“. Daraufhin wurde das Monumental Art Festival mit Piotr Szwabe als Art Director ins Leben gerufen.

Das Festival bringt Künstler zusammen, deren Anliegen nicht allein ihr künstlerischer Ausdruck ist. Sie machen sich auch Gedanken um die Anwohner, die dazu „verurteilt“ sind, täglich mit den großformatigen Bildern zu leben. Diese sollen in den Kontext der Orte passen, an denen sie entstehen. Die Künstler kombinieren unterschiedliche Techniken, von Graffiti bis zu klassischen Wandmalerei. Thematisch beziehen sich die Wandbilder jeweils auf aktuelle Jubiläen: der 70. Jahrestag des Ausbruchs des 2. Weltkriegs, 70. Todestag des Schriftstellers Witkacy, 20 Jahre Runder Tisch (das waren die ersten Gespräche der Regierung mit Solidarność 1989) und 50 Jahre seit dem ersten Rock ´n Roll Konzert in Polen, das in Danzig stattfand.

Gdansk School of Murals

In Zaspa stehen die Werke international anerkannter Künstler neben Arbeiten von Studenten der Danziger Wandbilder-Schule (Gdańsk School of Murals), die von Rafał Roskowiński und Jacek Zdybel geleitet wird.

GSM ist ein Bildungsprogramm für Wandkunst. Es richtet sich an Studenten und junge Absolventen der Kunstakademie sowie Leute, die sich mit Streetart beschäftigen. Die Studenten lernen über Kunst im öffentlichen Raum, nehmen an Diskussionen teil, perfektionieren ihre Fertigkeiten im Malen und bekommen eine Einstiegsmöglichkeit als Künstler – indem sie Wandbilder nach ihren eigenen Entwürfen realisieren. Parallel finden immer wieder kulturelle Events rund um die Sammlung statt, wie zum Beispiel „Chopin in Tower Blocks“ mit einem Open-Air Chopin-Konzert oder “The Night of Murals” - ein nächtliches Sightseeing der Sammlung, geführt von Bewohnern.

Die letzte Ausgabe des Monumental Art Festivals ist für 2016 geplant. Die Veranstalter schließen jedoch nicht aus, dass auch darüber hinaus noch Wandgemälde durch die „School of Mural Arts“ entstehen werden. Zur Zeit sind noch etwa 30 Wände in Zaspa frei.