• Philipp Meuser

    Plattenbau International

Die Platte von Magdeburg bis Wladivostok

Der Interviewfilm zeigt Grundprinzipien des Bauens mit der Platte auf und schildert den Plattenbau in der DDR und Berlin vor dem Hintergrund der internationalen Einblicke des Architekten und Publizisten Philipp Meuser.

"Architektur lässt sich nicht neu erfinden."

...lautet das Statement des Berliner Architekten Philipp Meuser.

Deshalb prägt auch die Auseinandersetzung mit Geschichte und Theorie des Entwerfens und Bauens seine gestalterische Arbeit. Mit einem Maßstab, der vom Menschen ausgeht und die Qualitäten eines Ortes erfasst, arbeitet Meuser an einem eigenständigen Beitrag zu zeitgenössischer Baukunst.

Eindrucksvoll zeigt sich dies bereits im Townhouse-Büro des 1969 in Hilden geborenen Architekten: Im Berliner Stadthaus Friedrichswerder, zwischen Auswärtigem Amt und Gendarmenmarkt, leiten Philipp und Natascha Meuser internationale Planungs- und Bauprojekte für Botschaften, Kirchenbauten, Landhäuser oder repräsentative Villen mit Schwerpunkt in Osteuropa und Asien.

Dass gerade Philipp Meuser über die Ästhetik der Platte spricht, mag dabei verwundern. "Man muss sie nur sehen wollen", meint der Architekt, und er hat sie gesehen.

Die schönsten Plattenbauten der Welt

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent ist Meuser auf eine Art Freiluftmuseum des Plattenbaus gestoßen, ausgestattet mit der größten Vielfalt an Dekor-Varianten der Fassaden der ehemaligen Sowjetunion. So schreibt Meuser nach einem Forschungsaufenthalt in Taschkent: "Neben verschiedenen Plattentypen entwickelten die Baukünstler unterschiedliche Dekor-Elemente für die Giebelwände oder Fensterformen. Alles schien erlaubt, nur nicht das simple Loch in der Wand."

Die bautechnischen Anforderungen der Plattenbausiedlungen in Taschkent wurden mit lokalen Traditionen verbunden. Geometrische Muster schmücken zahlreiche Fassaden. Sie sind von der Architektur des Islam inspiriert. Da schließlich die Religion in Usbekistan ikonographische oder allegorisch-figürliche Darstellungen verbot, hebt die dortige Baukunst die Wiederholung abstrakter Gestaltungselemente hervor. Sie verwendet florale Elemente aber auch immer wieder den Halbmond.

Zwischen Stalin und Glasnost

Philipp Meuser hat bei seinen Forschungsreisen durch Osteuropa für eine Vielzahl an Publikationen gearbeitet, die er im eigenen Verlag DOM publishers - neben zahlreichen Büchern anderer internationaler Autoren - zum Diskurs stellt. "Zwischen Stalin und Glasnost - Sowjetische Architektur 1960-1990" ist einer seiner beispielhaften Publikationen, in der Meuser 30 Moskauer Projekte vorstellt, "die das sozialistische Gesellschaftsbild auf die Bühne der Weltarchitektur gebracht haben".

Die industrielle Vorfertigung von Bauteilen ließ im sowjetischen Einflussgebiet weit ausgeprägter als im kapitalistischen Westen "überall die gleiche Platte" entstehen. Doch ist die "Platte" keineswegs eine "neue Erfindung" in der Architektur, richtet man den Blick detaillierter auf Unterschiede in Architekturgeschichte und Gesellschaft zwischen Magdeburg und Wladiwostok. Dies alles lässt sich anhand des Plattenbaus dokumentieren.