• Plattenbaukasten

    Plattenbaukasten

    Neue Wege in Dessau

Plattenbauten zu Reihenhäusern. Erfolgreich haben die Stadtplaner der Wohnbund-Beratung Dessau dieses Modell 2008 in die Realität umgesetzt. Das Besondere: die neuen Bewohner bilden eine Baugruppe und sind schließlich Eigentümer ihrer Häuser. Das Projekt gelang ohne zusätzliche Fördermittel.

Plattenbauheim an den Muldeauen

Die weiten Wiesen der Mulde direkt vor den Fenstern und die gute Anbindung ans Stadtzentrum – diese herausragenden Standortqualitäten haben den fünfgeschossigen Plattenbau vom Typ P 2 in der Dessauer Kreuzbergstraße gerettet. Er wurde nicht komplett demoliert, wie viele seines Typs, sondern vorsichtig teilrückgebaut. Heute leben hier acht Familien in acht Reihenhäusern auf je 120 Quadratmetern, plus riesigem Keller und 400 Quadratmeter Garten zu den Muldeauen hin gelegen. 

Dort, wo sich früher die Aufgänge zu je zehn Wohnungen befanden, liegt nun die Haustür jeweils eines der acht Einfamilienhäuser.

Eigenheimglück dank Rückbau

Die Bewohner sind Eigentümer ihres Hauses. Initiiert haben den Umbau die Stadtplaner Birgit und Holger Schmidt von der Wohnbund-Beratung Dessau. Ihre Idee des Plattenbaukastens klingt simpel und ist technisch und architektonisch nicht neu: Die oberen Geschosse werden im Rahmen des Stadtumbaus rückgebaut und das stehen gebliebenen Erdgeschoss in Einfamilienreihenhäuser umgewandelt. Das konzeptionell Neue am Plattenbaukasten ist,dass die künftigen Bewohner als Bauherrn und selbstnutzende Eigentümer in den Umbauprozess und die Gestaltung ihrer Platte mit einbezogen wurden. Die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) als Voreigentümerin hat das Vorhaben von Anbeginn mit großem Interesse unterstützt.

Gemeinsame Fassade, individueller Ausbau

Nach dem Teilrückbau in Verantwortung der DWG wurde die komplette Gebäudehülle des Erdgeschossbereichs erneuert – Flachdach, Wärmedämmung, Fenster und Haustür. Die Infrastruktur wie Wasser-, Fernwärme- und Stromanschlüsse verblieb im vorhandenen Kollektorgang im Kellergeschoss des Plattenbaus – das reduzierte die Erschließungskosten. Die zukünftigen Hauseigentümer schlossen sich zu einer Baugemeinschaft zusammen und engagierten das Architekturbüro königwanderer.architekten. Alle statischen Veränderungen sowie den Umbau der Gebäudehülle unter energetischen Gesichtspunkten planten die Architekten einheitlich - Grundrisse und Innausbau hingegen gestalteten sie in jedem der acht Häuser individuell, angepasst an die Bedürfnisse und den Geldbeutel der Baufamilien. Um Baukosten zu sparen hat ein Teil der Familien ihr Haus in Eigenregie und in Selbstbau ausgebaut.

Günstiges Eigenheim

Die Bauherren haben neben dem üblichen Eigenkapital einen Kredit aufgenommen, zusätzlich nutzen einige die KfW-Förderung und die Eigentumsförderung des Landes. Für den Abriss hat die DWG die übliche Rückbauförderung aus dem Programm Stadtumbau Ost in Anspruch genommen. „Jeder Bauherr hat das Grundstück mit dem verbleibenden Erdgeschossrohbau nach dem Rückbau von der DWG gekauft, danach wurden Dach, Wärmedämmung, neue Fenster und Türen beauftragt”, erläutert Holger Schmidt. Hinzu kamen die Kosten für die Planungsleistungen, das ergab das Basis-Paket. „Wie teuer dann der Innenausbau wird, bestimmen die Eigentümer”, erläutert Schmidt. Zwischen 130.000 und 190.000 Euro bezahlten die Käufer für ihr Haus, 

Ökonomisch ohne Fördermittel

„Dieses Modell ist beliebig oft wiederholbar” , sagt Schmidt. Der Plattenbaukasten ist kein prestigeträchtiges Pilotvorhaben, das nur mit Hilfe von hohen Einzelförderungen entstehen kann. Es ist unspektakulär, aber ökonomisch. Allerdings setzt es einen langen Atem voraus, den die privaten Bauherren und genauso die Wohnungsbaugesellschaft als Verkäufer mitbringen müssen. Während der Umnutzungsphase sind alle Parteien auf eine intensive Beratung angewiesen. Die bieten Birgit und Holger Schmidt auch für Folgeprojekte an. Eine neue Baugruppe hatte sich bereits gefunden, ist aber durch die Wirtschaftskrise wieder auseinandergefallen. „Besonders wichtig für solche Projekte ist der richtige Standort” , sagt Holger Schmidt, „es sollte kein Elfgeschosser gegenüber stehen.”

 

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Ökonomisch ohne Fördermittel

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