• Prager Zeile

    Prager Zeile

    Dresdens alte neue Prachtmeile

240 Meter lang und elf Geschosse hoch – an prominenter Stelle im Zentrum Dresdens steht die Prager Zeile, eines der größten Wohngebäude Europas. Sie stellt ein herausragendes städtebauliches Ensemble der Nachkriegsmoderne der DDR dar. Auf der Achse vom Dresdener Bahnhof zum historischen Stadtzentrum gelegen, schließt die 240 Meter lange Wohnzeile das Ensemble mit Fußgängerzone auf der östlichen Seite ab. 

1965 bis 1967 errichtet, ist die Wohnzeile einer "Unité d´habitation" von Le Corbusier nach empfunden. 2009 wurde der Plattenbau umgebaut und saniert. Und bereits mit zwei Architekturpreisen ausgezeichnet.

Pilotis auf Sächsisch

Das Gebäude besteht aus vier aneinandergereihten, identischen Hauseinheiten und basiert auf einem durchgehenden Konstruktionsraster von 4,80 Metern. Je Achse sind es zwei mächtige V-Stützen, die – Le Corbusiers „pilotis“ gleich – das Gebäude über dem Boden schweben lassen und öffentliche Durchgänge unter dem Haus ermöglichen. 1

Die Zukunft des Gebäudes wurde lange Zeit kontrovers diskutiert, bis sich der neue Eigentümer für eine umfassende Sanierung entschied.

Schwebende Struktur

Im Zuge der Sanierung reduzierten die Architekten vom Dresdener Planungsbüro Knerer & Lang die Anzahl der Durchgänge im Erdgeschoss, um so die Einbindung des Wohnriegels in den Stadtraum zu verbessern. Sie schufen dafür eine großzügige Öffnung in der Mitte und jeweils einen Durchgang in den Randbereichen als Verbindung zur Prager Straße. Die Erdgeschossfassade formulierten sie als glatte Haut mit einzelnen betonten Zugängen zu den Gewerbeeinheiten und den Wohnaufgängen. Die zum zurückgesetzten Technikgeschoss schräg nach unten gezogene, metallische Fassadenverkleidung betont den Eindruck eines schwebenden Körpers.

Wohnen je nach Badarf

Thematisch gliederten die Architekten das Gebäude in drei Abschnitte: junges Wohnen nördlich beim Kino, gehobenes Wohnen in der Mitte und seniorengerechtes Wohnen mit Betreuungsangebot im südlichen Teil. Aus Brandschutzgründen konnte die grundsätzliche Struktur mit der Vielzahl kleiner Wohnungen nicht geändert werden. Trotzdem wurden aus den ca. 600 sehr kleinen Wohnungen mit einem und zwei Zimmern nach der Sanierung zehn verschiedene Wohnungstypen mit anderthalb, zwei oder drei Zimmern. Zusätzlich entstanden auf dem Dach vier exklusive Penthäuser mit Blick über die ganze Stadt sowie ein Concierge-Service im Eingangsbereich.

Zurückhaltend aber mondän

Auf starke Farbakzente in der Fassade verzichteten die Architekten bewusst – die monochrome, kontrastreiche Gestaltung betone die klare Struktur des Gebäudes. Mit Loggiabrüstungen aus einem System metallischer Elemente unterschiedlicher Tiefe und Transparenz erzeugen sie eine filigrane Struktur, die an ein Flechtmuster erinnert. Farbe gibt es trotzdem: in unterschiedlichen Blautönen sind die Schotten zwischen den Balkonen gestrichen. Neu geschaffene Stadtloggien dienen in allen Etagen als Treffpunkte für die Mieter. Die zweigeschossigen Elemente lockern die strenge Fassade auf, bringen Licht in die Fluren und übernehmen gleichzeitig die Entrauchung im Brandfall.

Weniger Aufwand, weniger Energie

Planer und Eigentümer entschieden sich gegen das Dämmen der großen Längswände des Hauses. Die zahlreichen, unterschiedlichen Öffnungen und konstruktiven Anschlüsse der Loggienseitenwände hätten zu unwirtschaftlichen und konstruktiv problematischen Lösungen geführt. Gedämmt wurden die Kellerdecke, die Giebelwände und die Decke zum Drempel. Außerdem bekamen alle Wohngeschosse sowie der Ladenbereich neue Fenster. Durch diese Maßnahmen konnten die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) an den Primärenergiebedarf um ein Drittel unterschritten werden.

Ausgezeichnet

In der Kategorie „Wohnen im Bestand“ erhielt der Umbau der Prager Zeile den Architekturpreis „Zukunft Wohnen 2009“. Für dieses Projekt erhielt das Architekturbüro außerdem die Auszeichnung „Best architects 09“.

 

Quelle
  • Gunter Wölfle u.a., „Die Prager Straße in Dresden“, Kunststexte.de, 2006 
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Ausgezeichnet

Das Apartmenthaus 1969 © Deutsche Fotothek