• Rostocker Norden

    Rostocker Norden

    Backsteinkunst in Großsiedlungen

Kunst am Bau wurde bei der Konzeption der Rostocker Plattenbausiedlungen groß geschrieben. Bereits die ersten Großwohngebiete im Nordwesten Rostocks bekamen künstlerische Akzente. In Lütten Klein verwendete man erstmals Spaltklinker bei der Gestaltung der Giebel. Die Verbindung dieser Technik mit der industriellen Bauweise war neu. Bei allen folgenden Wohnungsbauprojekten wurden mit Hilfe farbiger Klinker großflächige Hochreliefs geschaffen, so geschehen in Evershagen, Lichtenhagen, Schmarl, Groß Klein und Dierkow. In Schmarl und Groß Klein erhielten die Frontfassaden ornamentale Gestaltungselemente.

Evershagen

Noch bevor das erste Großwohngebiet im Norden Rostocks, Lütten Klein, abgeschlossen war, begannen die Planungen für Evershagen. Zunächst sah das Konzept einen zentralen Grünraum vor, mit darum platzierten, überwiegend fünfgeschossigen Großwohneinheiten.

Um den steigenden Bedarf an Wohnungen decken zu können, wurden die Planungen überarbeitet und der Anteil an Hochhäusern erhöht. Ende 1970 wurde mit dem fünfgeschossigen Wohnungsbau begonnen, so dass ab Mai 1971 die ersten Wohnungen bezogen werden konnten. 1972 wurden in Evershagen erstmals Wohnungen der Wohnungsbauserie 70 errichtet. Es folgten die in Lütten Klein genutzten Hochhaustypen, die sogenannten "Windmühlen". Neu waren die Terrassenhochhäuser.

Strukturfassaden und Reliefs

Nach Entwürfen von Peter Baumbach, K. Ebert, Wolfgang Urbanski, Rudolf Lasch, Paul-Friedrich Sager, D. Weise, J. Holland entstanden in Evershagen insgesamt 8.060 Wohneinheiten mit den entsprechenden gesellschaftlichen Einrichtungen für etwa 28.000 Einwohner. Zahlreiche Fassaden wurden mit farbigen Klinkern gestaltet.

Lichtenhagen

Lichtenhagen schließt sich im Norden an Lütten Klein an und entstand zeitgleich mit Evershagen zwischen 1971 und 1976. Hier war die Fassadengestaltung mit farbigen Klinkern jedoch weniger ausgeprägt. Große Giebelflächen zentraler Gebäude wurden dennoch weiterhin künstlerisch gestaltet.

Die drei Sonnenblumen am 1979 errichteten prägenden Wohnblock im Wohngebietszentrum wurden 1978 von Reinhard Dietrich entworfen. Der „Sonnenblumengiebel“ signalisierte den Eingang zum Wohngebiet und eröffnete den Bereich des Zentrums.

Schmarl

Ende der 1970er Jahre wurde die Großsiedlung Schmarl in Plattenbauweise mit 6.549 Wohnungen für rund 16.000 Menschen errichtet. Der Wohnkomplex wurde durch die Stadtautobahn und die S-Bahn im Westen, durch ein Feuchtgebiet im Norden und das Gewerbegebiet Marienehe im Süden begrenzt. Modelle des neuen Stadtteils ließen die Planer im Windkanal der Technischen Hochschule Dresden testen, um Schutz vor dem rauen Ostseeklima zu gewährleisten.

Wohnschlagen mit Backsteinornamenten

Das gestalterische Hauptelement sind die „Wohnschlangen“ mit überwiegend runden Formen. Abwechslungsreich war die äußere Gestaltung der Bauten mit Klinker, sowie Farbflächen nach Entwürfen von J. Deutler, die mittelalterliche Backsteinelemente und Ornamentik aufgreift. In die Gestaltung fügen sich zwei Klinkergiebel nach Entwürfen von Inge Jastram ein. In Schmarl wurde ebenfalls ein Terrassenhaus errichtet.

Mit fünf Schulen, fünf Kindertagesstätten, zwei Kaufhallen, Kino und Bibliothek war Schmarl eines der besser ausgestatteten Wohngebiete. Mietergärten und Pergolen zeigten, dass die Bedürfnisse der Menschen wieder eine größere Rolle spielten.

 

Dierkow

1990 sollten die Wohnungsprobleme in der DDR gelöst sein, so die staatliche Vorgabe. In Rostock war man weit von der Erfüllung dieses Ziels entfernt. Die Bevölkerungszahlen stiegen immer noch kontinuierlich an und die Kapazitäten für den Wohnungsbau westlich der Warnow waren erschöpft. So entstanden östlich der Warnow die Wohngebiete Dierkow, 1980-1987 und Toitenwinkel, 1987-1995. 

 

Diese letzten beiden realisierten Großprojekte waren stärker noch als die Vorangegangenen von dem Druck geprägt, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Daher wurde hier auf besondere gestalterische Aspekte, wie etwa der Bau von architektonisch herausragenden Hochhäusern verzichtet. Auch die Fassadengestaltung ist schlichter, als noch in Schmarl oder Groß Klein. Bautypus ist die neue Rostocker Plattenbauvariation WBR83/5 in 5-geschossiger Ausführung, mit einer Etage „0“ um der Fahrstuhlpflicht zu entgehen.




Rostocker Großsiedlungen historisch

Von Januar bis Mai 2014 fand im Kulturhistorischen Museum Rostock eine Aussstellung zu Architektur und Städtebau der Plattenbausiedlungen statt. Die historischen Bilder befinden sich zum Großteil im Bestand des Museums.


Quellen

"Endlich eine Neubauwohnung“, Ausstellung Kulturhistorisches Museum Rostock, 2014

"Architekturführer des DDR, Bezirk Rostock", VEB Verlag für Bauwesen Berlin, 1978