• Rudolf Horn

    Interior / Design

Du bist der Finalist

Der Interviewfilm führt über den Meilenstein Horns, sein am Plattenbau orientiertes Montagemöbelprogramm MDW, bis hin zum Experiment des "Variablen Wohnens". Dort gestalten die Bewohner einer Plattenbauwohnung auch ihre Grundrisse nach eigenen Bedürfnissen.

Gefühl für Lösungen

Rudolf Horn gilt als der bedeutendsten Möbeldesigner der ehemaligen DDR. Den Begriff Design nimmt der Innenarchitekt, Ingenieur, Formgestalter und Hochschullehrer jedoch nicht gern für seine Arbeit in Anspruch:

"Design assoziiert etwas Fertiges und Äußerliches. Gestaltung benennt einen Vorgang, einen Prozess der Entstehung."

Anders als viele Medien, die den 1929 in Waldheim geborenen Rudolf Horn heute gern als "Design-Papst der DDR" bezeichnen, rückt dieser die Nutzer seiner Gestaltung in den Mittelpunkt. Durch Horns Schaffen hindurch setzt sich der Gedanke fort, dass der Nutzer der eigentliche Finalist eines von einem Gestalter angebotenen Objektes ist.Horn kann man dabei die Faszination ansehen für Menschen "mit einem wunderbaren Gefühl für Lösungen, an die ich selbst nie gedacht hätte".

Erfolgreichstes Möbelprogramm der deutschen Ostmoderne

In der Mehrheit waren dies die Bewohner der typisierten Neubauten der DDR, der Plattenbauten. Sie haben sich ein Vierteljahrhundert lang mit dem Montagemöbelprogramm der Deutschen Werkstätten Hellerau (MDW) ausgestattet, welches Horn 1966 für alle Bereiche des Wohnens, ausgenommen Küche und Bad, ins Leben rief. "Wenn dieses Programm produziert wird, so verlässt kein fertiges Möbel mehr die Produktionsstätte, sondern Bauteile. Wie das Möbel aussieht, das bestimmt der Nutzer", erinnert der Gestalter Horn an damals. Und so verlieren die Ausstattungsgegenstände ihre Starrheit und brechen die streng strukturierte räumliche Zuordnung im Plattenbau auf.

In Halle wurde Horn 1971 zum Professor für Design der heutigen Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design berufen. 1983 folgte der Designpreis der DDR und 1989 der Nationalpreis für Kunst und Literatur.

Begehrte Bretter

Doch die Staats- und Parteiführung der DDR versetzte Horn in einen Konflikt, als er begann, sein Möbelprogramm zu produzieren. Dieser Konflikt sollte viele seiner Arbeiten begleiten: "Ich sehe hier keine Möbel, sondern nur Bretter", mahnte seinerzeit der Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht und fügte hinzu: "Die Werktätigen wollen solche Möbel nicht". Doch die Menschen haben die Arbeiten Horns angenommen. Entspannt und von höflicher Zurückhaltung sagt Horn: "Mehr kann man als Gestalter nicht erwarten".

Für wen machst du das?

Rudolf Horn war es immer ein Anliegen, dass seine Gestaltung für viele Menschen verfügbar und nutzbar ist. Das ergab sich auch aus den gesellschaftlichen Gegebenheiten, denen er sich mit anderen jungen Gestaltern und Architekten in den 1950er Jahren gegenübersah. "Da war ein Land zerstört durch den Krieg", erinnert sich Horn und deutet auf die große Vision, sein Prinzip der "nutzeroffenen Gestaltung" konsequent auf die gesamte Wohnhülle zu übertragen. Zwar bot der Plattenbau das technische und ökonomische Prinzip, Wohnungen für eine große Mehrheit von Menschen auf wirtschaftliche Weise zu bauen.

Doch mit dieser baulichen Substanz so umzugehen, dass die Bewohner auch die Innenwände nach ihrem Maß formen und gestalten konnten, gelang nur in Pilotprojekten: Beim "Variablen Wohnen" sollte der Nutzer selbst seine individuellen Wohnbedürfnisse in passenden und flexibel veränderbaren Grundrissen formen. Diese Öffnung im Plattenbau glückte im Experiment. Doch die gesellschaftliche Wirklichkeit in den 1970er Jahren ließ das Vorhaben scheitern.