• Umbau Oleanderweg

    Umbau Oleanderweg

    Halle-Neustadt

Weniger ist mehr - aus dem Fünfgeschosser wurde ein individuelles Wohnhaus.

Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau 2010 suchte das Land Sachsen-Anhalt in 17 teilnehmenden Städten nach neuen Strategien der Stadtentwicklung. Die Stadt Halle thematisierte unter der Überschrift „Balanceakt Doppelstadt“ die Nahtstelle und Verbindung zwischen der gewachsenen historischen Altstadt und dem modernen Stadtteil Halle-Neustadt auf den beiden Seiten der Saale.

Umbaukonzepte

Bereits im Jahr 2003 entwickelte das Architekturbüro Stefan Forster das modellhafte Umbaukonzept für den 1971 errichteten 5-geschossigen Plattenbau im nördlichen Teil von Halle-Neustadt.

Stefan Forsters Ansatz: Am Ende soll das Gebäude nicht mehr als Platte erkennbar sein. Durch den Rück- und Umbau des Zeilenbaus, der 2010 abgeschlossen wurde, bekam das Haus eine neue Kubatur. Aus dem Plattenbau des Typs P 2 mit 13 Eingängen und 125 gleich großen Wohneinheiten machten die Architekten elf Häuser mit 81 Wohneinheiten. 

Flexibilität des Rasters

Insgesamt gibt es am Oleanderweg heute 18 verschiedene Wohnungstypen – von der Anderthalb-Zimmer-Wohnung bis zur zweigeschossigen „Haus-im-Haus“-Wohnung mit separatem Eingang und Privatgarten. Die neu angebauten, durchlaufenden, tiefen Balkone, sowie städtebauliche Eingriffe in Form mehrerer Durchgänge zum großen Grünraum südlich der Zeile steigern zusätzlich die Wohnqualität des Gebäudes. Dort, wo Teile der Obergeschosse rückgebaut wurden, befinden sich nun große Dachterrassen.

Energiesparplatte

Größere Wohnungen und die Umwandlung der bestehenden Zweispänner in Dreispänner ermöglichten es, die verbliebenen elf Treppenhäuser in den Obergeschossen auf insgesamt sechs zu reduzieren. Durch die energetische Sanierung des Gebäudes sank der Primärenergiebedarf von 134,77 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr um mehr als die Hälfte auf 55,51. Damit sparen die Bewohner 58 Prozent Primärenergie ein.

81 Wohnungen - 400 Interessenten

Acht Millionen Euro sind in Sanierung und Umbau geflossen. Drei Viertel davon hat die Bauherrin des Projekts, die Gesellschaft für Wohn-und Gewerbeimmobilien Halle-Neustadt (GWG Halle) gestemmt, zwei Millionen stammen aus Fördertöpfen. „Mit diesem Projekt wollten wir Erfahrungen sammeln, sehen was möglich und sinnvoll ist im Umgang mit der Platte“, sagt Pressesprecherin Doris Henning. Der Ansturm auf die neuen Wohnungen im Oleanderweg war enorm: Für die 81 Wohnungen gab es 400 Interessenten und davon 200 ernsthafte Bewerber.

„Die neue Kubatur, die zugleich neue Qualitäten ermöglicht, ist besonders reizvoll“, sagt Henning. Ohne Fördergelder wäre so ein aufwändiger Umbau jedoch nicht möglich gewesen. Ein solch massiver Eingriff in ein bestehendes Gebäude hat seinen Preis – der für zukünftige Projekte zu hoch ist. Klar ist, dass größere, abwechslungsreichere Grundrisse gefragt sind. Das will die GWG demnächst an einem Gebäude am Rennbahnring wieder umsetzen. „Die Platte als Baukasten bietet viele Variationsmöglichkeiten, so wie es ursprünglich von den Architekten geplant war.“

And the winner is...

Dass das Modellprojekt Oleanderweg auch in der Fachwelt gut ankommt, zeigen gleich zwei Preise: Unter dem Motto „Hohe Qualität – Tragbare Kosten im Wohnungsbau“ wurde der Umbau mit einer Anerkennung des Deutschen Bauherrenpreises 2011/2012 ausgezeichnet. Im Jahr 2011 erhielt er bereits den europäischen Preis für Architektur Philippe Rotthier in der Kategorie „Best housing renovation“.

 

Infos:

Plattenköpfe für mehr Plattenwandlung

Ein weiteres spannendes Projekt aus dem Hause Forster ist der Plattenumbau in Leinefelde. Stefan Forster im Interview unter unserer Rubrik "Plattenköpfe".