• Vorläufer der Platte

    Ursprünge des industriellen Bauens

    Häuser am Fließband

Die Geschichte der industriellen Vorfertigung begann mit der Vorfertigung von Holzhäusern, gefolgt von Konstruktionen mit Gusseisen und Stahl.

Vorgefertigte Elemente aus Beton erschienen schließlich am vielversprechendsten für den mehrgeschossigen Wohnungsbau. In den 1920er und frühen 1930er Jahren experimentierten Architekten der Moderne weltweit mit Techniken des industrialisierten Bauens.

Erste Projekte aus geschosshohen und raumgroßen Platten gaben einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten der Plattenbautechnik. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er und 1960er Jahren wurde Plattenbau im großen Stil betrieben.

Bild: Hoyerswerda im Aufbau, Foto: Erich Zühlsdorf, 06.12.1960, © Bundesarchiv, Bild 183-78464-0001 / CC-BY-SA

1820 – Prefabrication

Ab 1840 wurden Wohnbausysteme aus Eisen entwickelt. Sogar Bausätze für Eisenkirchen verbauten die Briten in ihren Städten.

Für die Siedler in den britischen Kolonien wurden Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst Wohnhütten aus vorgefertigten Holzteilen von England aus nach Übersee verschifft. Ab 1840 wurden Wohnbausysteme aus Eisen entwickelt. Sogar Bausätze für Eisenkirchen verbauten die Briten in ihren Städten, brachten sie aber auch in großer Stückzahl nach Südafrika und Australien. Wegen mangelnder Ästhetik wurde die Metallbauweise aber so bald wie möglich wieder durch traditionelle Steingebäude abgelöst.

Eine umfangreiche Bildersammlung über Kleinkirchen in Metallbauweise: http://www.tintabernacles.com

1820 – Prefabrication

Methodisten-Kirche aus Metall in Emerald, Aufnahme 1926,  © John Oxley Library, State Library of Queensland

1905 – Vorläufer Betonblock

Mit der neu entwickelten Methode des eisenbewehrten Betons von Joseph Monier stellten Baufachleute in Frankreich und England stabile Blöcke her. Mit diesen größeren Bauelementen wollten sie kostengünstiger und schneller bauen als mit Ziegeln. 1905 errichtete der Liverpooler Stadtingenieur J.A. Brodie beispielsweise ein dreigeschossiges Haus mit zwölf Wohnungen aus Betonblöcken.

Mit der neu entwickelten Methode des eisenbewehrten Betons von Joseph Monier stellten Baufachleute in Frankreich und England stabile Blöcke her. Mit diesen größeren Bauelementen wollten sie kostengünstiger und schneller bauen als mit Ziegeln. 1905 errichtete der Liverpooler Stadtingenieur J.A. Brodie beispielsweise ein dreigeschossiges Haus mit zwölf Wohnungen aus Betonblöcken.

1905 – Vorläufer Betonblock

Brodie (links) und Monier, gemeinfrei

1918 – Erste Großformattafeln

Geschosshohe Wandplatten und raumgroße Fertigdecken ließ der Architekt Grosvenor Atterbury für die Siedlung Forest Hills Gardens auf Long Island/New York herstellen.

Die großformatigen Außenwandelemente enthielten bereits Hohlräume zur Wärmeisolierung. Sogar das Satteldach wurde aus vorgefertigten Platten montiert. Jedes der anderthalb geschossigen Häuser setzte sich aus rund 170 standardisierten Betonelementen zusammen. Die vor Ort hergestellten Platten aus Stampfbeton wurden mit Hilfe von Kränen montiert.

1918 – Erste Großformattafeln

Idyll in Beton gegossen, Foto: A Modern Arcadia, by Susan L. Klaus. Amherst, Mass.: University of Massachusetts Press, 2002

1923 – System Atterbury

Als „System Atterbury“ kam das amerikanische Verfahren nach Europa.

Eine niederländische Baufirma erwarb das Patent und errichtete zwischen 1923 und 1925 im sogenannten Betondorp (Betondorf) 151 Wohnungen in Großtafelbauweise.

1923 – System Atterbury

Betondorp, Foto: Vincent Steenberg, wikipedia

1926 – Experiment in Stahl

Das Bauhaus wendet sich vom Handwerk ab und der industriellen Fertigung zu. Dort versuchte man, auch das Bauen zu industrialisieren. Unter anderem wurde das Material Stahl für die Serienfertigung in Betracht gezogen. 1926 begannen Richard Paulick und Georg Muche mit den Arbeiten an einem Experimental-Stahlhaus. Paulick, Schüler und später Mitarbeiter von Walter Gropius, kam in den 1950er Jahren eine zentrale Rolle bei der Planung und Erstellung der ersten Plattenbaugroßsiedlungen der DDR zu.

1926 – Experiment in Stahl

Stahlhaus Dessau, 1926, von Georg Muche und Richard Paulick. Foto: (C) Thomas Guffler

1927 – Vorfertigung noch zu teuer

Als Lehrer am Bauhaus und freischaffender Architekt in Berlin war Walter Gropius geradezu besessen von der Idee einer „Häuserfabrik“. Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart sowie die Dessauer Siedlung Törten waren seine Experimentierfelder. Die Dessauer Häuser entstanden in zweigeschossiger Reihenbauweise als Typ Sietö I.

Buchtipp >

1927 – Vorfertigung noch zu teuer

Die Siedlung Dessau-Törten
Andreas Schwarting
Thelem Verlag, Dresden 2010 
464 Seiten, 21 x 24 cm, Leineneinband
ISBN 978-3-939888-55-0, Preis: 49,80 €
http://www.thelem.de

1930 – Platten-Premiere in Berlin

In Berlin veranlasste Martin Wagner, Architekt und Stadtbaurat, den Versuch einer ersten Plattenbausiedlung – beeindruckt vom System Atterbury, das Wagner bei einem Studienbesuch in den USA unter die Lupe nahm. Nach amerikanischem Vorbild wurden die Großplatten in Holzformen neben der Baustelle in Berlin-Lichtenberg gefertigt. Die dreischichtigen Platten mit Fenster- und Türöffnungen maßen 7,5 auf 3 Meter. Zehn Tage lang mussten die Bauteile aushärten, dann konnten die Maurer die über sieben Tonnen schweren Elemente mit einem Portalkran montieren. Da die Siedlung ursprünglich in Ziegelbauweise geplant war, gab es zahlreiche Probleme mit der Umsetzung der Plattentechnik. Von dem heute Splanemann-Siedlung genannten Ensemble existieren immer noch 118 der ursprünglich 138 Wohnungen.

Der Platte blieb der Durchbruch zu diesem Zeitpunkt allerdings noch versagt. „Vorfertigung und Montageprozess waren inkonsequent, die Seriengröße zu klein, die städtebauliche Lösung zu steif, der Portalkran zu unbeweglich und die Platten zu schwer“, merkte Martin Wagner selbstkritisch an. (1) Erst Mitte der 1950er Jahre hielt die Platte als tausendfach wiederholte Bauform Einzug in Osteuropa. Aber auch in der Bundesrepublik und in vielen anderen westeuropäischen Ländern entstanden in den 1960er Jahren Großsiedlungen vom Fließband.

1930 – Platten-Premiere in Berlin

Splanemannsiedlung 2011, Foto: Michael G. Schroeder, wikicommons