• WHH-GT 18/21

    WHH-GT 18/21

    Die städtebauliche Dominante

Über den Bäumen am See im Fennpfuhlpark erhebt sich das Hochhaus am zentralen Roederplatz.

WHH GT 18 (Typ Berlin) – diese Bezeichnung steht für Wohnhochhaus Großtafelbauweise 18 Stockwerke. Dieser Plattenbau-Typ wurde 1969-1971 vom VEB Wohnungsbaukombinat Berlin entwickelt. Das Architektenkollektiv um Joachim Seifert und Helmut Stingl war hier federführend.

Die Musterbauten des WHH-GT entstanden 1971 am Berliner S-Bahnhof Jannowitzbrücke, Holzmarkt-, Ecke Alexanderstraße. Die drei Türme bilden hier den Abschluss der Einkaufspromenade Schillingstraße.

Kurz darauf folgten modifizierte Bauten des Typs WHH-GT. So z.B. nach Abriss der ehemaligen Altstadt von Cölln an der Spree (Alt-Berlin), zwischen Alexanderplatz und Spittelmarkt. Dort entstand eine Art Parkanlage, aus welcher sechs Wohnhochhäuser ragen. Das Gebiet wurde in Fischerinsel umbenannt, und durch verschiedene Gesellschaftsbauten ergänzt.

Die Landmarke

Ab 1972 wurde der WHH-GT in fast allen Berliner Stadtbezirken gebaut, entweder als einzeln stehendes Hochhaus oder als Doppelsegment mit 18 Stockwerken. Später entstanden auch Doppelsegmente mit 18 und 21 Geschossen (WHH-GT 18/21). Eine besondere Modifikation des Typs stellt der denkmalgeschützte Wohnturm Platz der Vereinten Nationen 1-2 in Berlin dar. Nach Plänen von Heinz Mehlan türmt sich das dortige Hochhaus dreifach von 17 auf 21 auf 25 Stockwerke.

Konzipiert wurde der Haustyp WHH-GT vor allem auch als städtebauliche Dominante. Im Kontrast zur oft 5- bis 11-geschossigen Bebauung der Typen WBS 70 oder P2 stellt der WHH-GT einen Orientierungspunkt dar. Das Punkthochhaus wurde z.B. an Verkehrsknotenpunkten, S- und U-Bahn-Stationen oder als Platzbegrenzung errichtet.

Eckdaten des häufigen Typs
WHH-GT 18 (von 1978)

  • Laststufe 6,3 t
  • Außenwände in Normalbeton, 3-Schicht-Platten mit Kerndämmung
  • Innenwände in Normal- und Stahlbeton, 19cm dick
  • Deckenplatten in Stahl- und Vollbeton, 14cm dick
  • nicht unterkellert
  • 136 Wohneinheiten (17x 8 Wohnungen)

Das Prinzip

Beim WHH-GT handelt es sich um eine Querwandkonstruktion. Die Grundfläche des einzeln stehenden WHH-GT 18 (von 1978) weißt z.B. eine Grundfläche von 35,34m x 18,84m auf. Im 1. bis 17. OG liegen jeweils acht Wohnungen. In den Mittelachsen der Bauten befinden sich Balkone, eine Balkonreihe ist dem Fluchttreppenhaus vorbehalten. Den Kern des Gebäudes bildet der Flur, belichtet durch einen Gang zum Treppenhaus. Geplant wurden weiterhin zwei Aufzüge sowie ein Müllabwurf.

Im Erdgeschoss befinden sich Versorgungseinrichtungen und oft auch ein Restaurant und ein kleines Ladengeschäft/Kiosk, im 18. OG liegt das Technikgeschoss. Je nach Ausführung enthält dieser Plattenbau-Typ 136 oder 296 Wohnungen. Entgegen zu den meisten Plattenbautypen teilen sich im WHH-GT Bad und Küche nicht den Versorgungsstrang, sondern liegen separat, was diese Bauweise aufwendig macht.

Das Prinzip

Briefmarke: Fischerinsel mit Ahornblatt.

Eisbein at Tiffany‘s

Besonderes Merkmal der (ursprünglichen) Fassade sind die Fenster. Ähnlich wie beim Typ QP wurden diese fast flächig in die Fassade integriert. Zum Teil gestaltete man künstlerische Balkonbrüstungen oder auch Außentüren aus gestanztem Blech, bei einigen Häusern fanden sich zusätzlich Verzierungen in Form von Kunst am Bau (z.B. keramische Szenerien). 

Im Erdgeschoss wurde häufig ein Restaurant mit Außenterrasse integriert – die Fenster waren dabei oft aufwendig im Stile der Tiffany-Glaskunst gestaltet. Die meisten dieser bunten Fenster wurden zwischenzeitlich entsorgt, vereinzelt finden sich jedoch noch. 

 

Wohnungsgrößen am Beispiel 
WHH-GT 18 (von 1978)

  • 1-Raum-Whg 29,84m²
  • 2-Raum-Whg 47,46m²
  • 3-Raum-Whg 71,45m²m
  • 4-Raum-Whg 75,76m²

WHH-GT heute

Wohnen im Hochhaus bietet, besonders in den Obergeschossen, den Vorteil einer phantastischen Aussicht. Die vergleichsweise kleinen Wohnungen im WHH-GT sind sowohl für Singles als auch kleine Familien geeignet. Aufgrund der Konstruktion sind Grundrissänderungen relativ einfach vorzunehmen, der Bau kann modernen Ansprüchen angepasst werden. Es gibt dafür gute Beispiele:

Am Andreasplatz in Berlin-Friedrichshain wurde ein völlig heruntergekommener, leer stehender WHH-GT 18 zum hippen Wohnturm umgebaut. Versehen mit dunkler Metallfassade, einer Dachterrasse und edlem Eingangsbereich bietet er nun, voll vermietet, schickes Wohnen mit Aussicht.

In Berlin-Lichtenberg ließ die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE einen WHH-GT 18/21 zum größten Niedrigenergiehaus Deutschlands umbauen: Das Hochhaus in der Schulze-Boysen-Straße 35/37 bietet nicht nur optimierte Grundrisse, sondern spart laut HOWOGE im Vergleich zum Stand vor der Sanierung 49,6% der Energie ein.

 

Quelle 

  • IEMB

Bilder dieses Artikels - sofern © bzw. Urheber nicht angegeben - können verwendet werden unter Nennung: Martin Püschel / www.jeder-qm-du.de

 

 

WHH-GT heute

         Wasserspiegelung im Fennpfuhl