• Wiener Flur & Heinz-Nittel-Hof

    Wiener Flur & Heinz-Nittel-Hof

    Mit Schwimmbad und Sauna im Plattenbau

 

Mit rund 36.000 Wohnungen, die nur zirka vier Prozent des Gesamtbestands ausmachen, ist die Plattenbauweise in der österreichischen Hauptstadt nicht besonders dominant. Dennoch sind die hauptsächlich in den 1960er und 1970er Jahren errichteten Plattenbausiedlungen wichtiger Bestandteil und Beispiel für den so genannten Sozialen Wohnungsbau in Wien. Eine kleinere unter den fünf Wiener Plattenbaufirmen hatte sich neben der Produktion von Standardbauteilen darauf spezialisiert, Kundenwünsche und Architektenentwürfe umzusetzen. Das stellte zur damaligen Zeit eine Pionierleistung im Plattenbausektor dar. Die Siedlungen Wiener Flur und Heinz-Nittel-Hof zeigen die gestalterische Vielfalt der Betonfertigteilbauweise.

"Das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl."

In seiner Heimatstadt Wien hat der Architekt Kilian Mattitsch für uns diese zwei außergewöhnliche Plattenbausiedlungen fotografiert.

Große Dichte - großes Glück

In der Siedlung Heinz-Nittel-Hof ist die Dichte der Wohnungen fast doppelt so hoch, wie bei vergleichbaren Wohnanlagen - gleichzeitig sind die Bewohner hier zufriedener. Wie geht das? Harry Glück, Architekt des Heinz-Nittel-Hofs, setzte sich ein Architektenleben lang für eine hohe Wohnqualität im Sozialen Wohnungsbau ein. In über 30 Jahren war er am Bau von über 14.000 Wohnungen beteiligt. Beim Heinz-Nittel-Hof, wie auch bei zahlreichen seiner anderen Projekte, kommen die Bewohner über Tiefgaragen in die Treppenhäuser. So schaffte Glück auf dem Grundstück Platz für viele Wohnungen und zugleich für Grünräume und Spieloasen. Zur Überraschung (auch der Soziologen) erreicht der Wiener Architekt gerade durch die höhere Dichte mehr Wohnwert - ein reichhaltigeres Freizeitangebot und die freie Aussicht ins Grüne überzeugen die Bewohner. Gleichzeitig richtete er fast alle Wohnungen zur Sonne aus - nach Südost oder Südwest. Ein tiefer, bepflanzbarer Balkon oder gar eine Terrasse, die in einen größeren Grünraum hineinragen, gehörten bei Glück zu jeder Wohnung ebenso dazu wie die Schwimmbäder auf den Flachdächern. Trotz dieser vermeintlichen Luxusausstattung schaffte Glück es, seine Projekte kostengünstiger zu bauen als vergleichbare Wohnbauten. 

Zwangsbauweise

Dass die Bauelemente der Heinz-Nittel-Siedlung seriell vorgefertigt sind, ist für Harry Glück eine Nebensache. „Wir hatten das Projekt in Mischbauweise geplant“, sagt der heute 87-jährige Architekt, „die Plattenbautechnik wurde uns aufgenötigt.“ Laut Glück wollte die Stadt Wien ihre eigenen defizitären Plattenwerke beschäftigen, die damals stark verschuldet waren. Grundsätzlich plädiert der Wiener Architekt für die Mischbauweise: die Tragkonstruktion vor Ort erstellen und das Ganze mit leichten Teilen ausbauen, sei ideal. „Alles mit Fertigbauteilen zu bauen, rechnet sich nicht“, sagt der Wohnbauexperte, „es ist ein Märchen, dass Plattenbau wirtschaftlich ist.“


Die Siedlungen aus der Luft bei google maps: