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    Leipzig

    Metropole im Wandel

Leipzig war schon immer etwas Besonderes. Die Ausstellungsbauten der Messe in der Innenstadt und die große Zahl internationaler Besucher, die Leipzig mehrmals im Jahr durchfluteten, machten das Flair der Metropole aus. Die quirlige Messestadt behielt diese Atmosphäre auch zu DDR-Zeiten bei, fungierte sie doch als Vorzeigestadt, als "Schaufenster des Ostens". Als Handelszentrum zwischen Ost- und Westdeutschland erhielt sie besondere Bedeutung unter den Großstädten der DDR.


Metropole Leipzig

Da der Innenstadtbereich Leipzigs durch die Ringstraßen klar gefasst war, zielte die Stadtplanung der Nachkriegsjahre darauf ab, das Zentrum in dieser Form zu erhalten und wiederaufzubauen. Der weitläufige, am Ring liegende Augustusplatz wurde als zentraler Platz für das politische und kulturelle Leben auserwählt und noch 1945 in Karl-Marx-Platz umbenannt. Erster Neubau am Platz war das Opernhaus. Als einziger Opernhausneubau der DDR wurde es zwischen 1955 und 1960 nach einem Entwurf von Kurt Hemmerling und Kunz Nierade errichtet. Es folgte das Gebäude der Hauptpost, 1964 nach dem Entwurf von K. Nowotny in Stahlbetonskelettbauweise errichtet, sowie das Hotel Deutschland, als siebengeschossiger Plattenbau 1965 auf der Ostseite des Platzes realisiert.

 

1967 übernahm Hort Siegel das Amt des Leipziger Chefarchitekten und richtete in der Messestadt erstmals ein Büro für Stadtplanung ein, für das er nach und nach einhundert Mitarbeiter engagierte. Große Kontroversen gab es über den Umgang mit der unversehrten Universitätskirche. 1959 kam erstmals die Idee auf, diese um 45 Meter von der Platzfront zurückzuversetzen, da das katholische Bauwerk das sozialistische Bild der Universität stören würde. Später wurde dann die Sprengung der traditionsreichen Kirche beschlossen, und gegen den vehementen Aufschrei der Bevölkerung im Mai 1968 durchgeführt. Die neue Universität wurde als Komplex aus mehreren Trakten im Wesentlichen nach dem Entwurf von Hermann Henselmann errichtet. Dazu gehörte unter anderem das 142 Meter hohe Universitätshochhaus, das auch heute noch ein Wahrzeichen Leipzigs darstellt. Mit dem Gewandhausneubau 1977 bis 1981 an der Südseite des Platzes (Entwurf und technische Konzeption: Horst Siegel und Rudolf Skoda) und der Restaurierung des neubarocken Mendebrunnens wurde das Ensemble Augustusplatz 1982 fertiggestellt.

Am Brühl

Einen weiteren Fokus der Stadtplaner in den 1960er Jahren bildete das Gebiet um den Leipziger Brühl, ein ehemals dicht bebautes Stück Altstadt, das im Krieg quasi komplett zerstört wurde. Die Neugliederung des Areals mit einer aufgelockerten Bebauung begann 1965 mit dem Neubau des Brühlpelz-Gebäudes und dem siebengeschossigen Wohnblock in der Reichstrasse. Auf dem neu entstandenen Sachsenplatz, der am 20. Jahrestag der DDR, dem 7. Oktober 1969 eingeweiht und mit diesem Namen benannt wurde, war das Gebäude mit dem fächerartigen Dach, die Leipzig-Information, neu errichtet worden. Es entwickelte sich zum Anlaufpunkt sowohl für Messebesucher und Touristen, als auch für die Leipziger selbst, da es die Bevölkerung mit Ausstellungen und Vorträgen über städtebauliche Themen und Projekte informierte. Die erhaltene Hälfte der vormals engen Katharinenstraße wurde nun zur Schau gestellt, als westliche Platzwand und Kulisse des Sachsenplatzes. Ab 2002 musste das Ensemble Sachsenplatz dem Neubau des Museums der bildenden Künste weichen, das den Platz mit einem massiven, geschossenen Kubus belegt.

Geschichtsbewußtsein neu gebaut

Neben dem Neubau von Großwohnsiedlungen auf der grünen Wiese, wie dem Leipzig-Grünaus, konzentrierten sich die Leipziger Stadtplaner ab Mitte der 1980er Jahre auch auf die historische Stadtstruktur und realisierten vermehrt Wohngebäude in Plattenbauweise innerhalb des Innenstadtgefüges. Der Innenstadtbereich sollte nach und nach wiederherstellt und den Bürger zur alltäglichen Nutzung zugänglich gemacht werden. Die vormals dominante Funktion der politischen Repräsentanz rückte in den Hintergrund. Erklärtes Ziel der Planer war es nun, den Bewohnern "Geschichtsbewusstsein und das Gefühl der Kontinuität der Entwicklung zu vermitteln", wie es in einer Veröffentlichung der Bauakademie heißt.

 

Basis für die weitere Gestaltung der Leipziger Innenstadt bildeten die vier sogenannten "Experimentalbauten" in der Kolonnadenstraße, die 1984 in den Lücken zwischen bestehenden Altbauten errichtet wurden. Die Kolonnadenstraße wurde im Zuge dessen zu einer Art Fußgängerzone umgebaut, mit Läden in der Erdgeschosszone sowohl der acht sanierten Altbauten, als auch der in Plattenbautechnik errichteten Neubauten. Die sechsgeschossigen Wohngebäude wurden als Doppelsegmente mit Staffeldach und differenziert gestalteten Fassadenelementen ausgeführt. Die neuen Bauteile entwickelte das Baukombinat Leipzig in Zusammenarbeit mit der Ingenieurschule Cottbus. Konstruktives Novum war die geschossweise abgesetzte Außenwand mit hinterlüfteter Wetterschale, die nachträglich an das Grundelement angehängt wurde.

Herzstück Dorotheenplatz

Am Ende des neugestalteten Straßenabschnitts Kolonnadenstraße wurde ab 1987 als Hauptplatz und Herzstück des Ensembles der Dorotheenplatz angelegt. An Stelle des zentralen Rodells des im 18. Jahrhundert barock angelegten Apelschen Gartens gestalteten die Planer einen fünfeckigen Platz mit fächerförmig verlaufendem Straßensystem. Die Kopien zweier erhaltener Sandsteinskulpturen des Barockbildhauers Balthasar Permoser wurden in die Außenraumgestaltung des Platzes integriert. Dietmar Fischer, damals Leiter der Abteilung Umgestaltungsgebiete des Büros des Chefarchitekten, leitete das Vorhaben Kolonnadenviertel. Später setzte Horst Siegel Dietmar Fischer als seinen Nachfolger im Amt des Chefarchitekten der Stadt Leipzig ein.

 

Da Leipzig im Vergleich zu anderen Großstädten der DDR einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Altbauwohngebäuden besaß, brachte der Neubau von Wohngebäuden im Zentrum häufig auch den Abriss von Altbauten mit sich, wie beispielsweise in der Talstraße im Seeburgviertel der Inneren Ostvorstadt. Bis zur Wende konzentrierte sich der Großteil des innerstädtischen Neubaus auf die Inneren Vorstädte Leipzigs.

 

 

Quellen

 

"Städtebau der DDR 1955-1971" von Thomas Topfstedt, Seemannverlag Leipzig, 1988

 

"DDR-Architektur in der Leipziger Innenstadt" von Juliane Richter und Katja Weise, in: Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR No. 5, Bauhaus Universitätsverlag Weimar, 2015