• Plattenpalast

    Plattenpalast

    Kunstprojekt aus 13 Platten

Minimales Wohnen im Palast - wer das ausprobieren möchte, wendet sich an Architekt Carsten Wiewiorra. In einem Hinterhof in Berlin-Mitte nahe dem Mauerstreifen steht sein Kleinod: der vielleicht kleinste Plattenbau der Welt mit roher Betonfassade und großen, goldgelb leuchtenden Fensterscheiben, errichtet aus 13 Platten.

Prototyp für Plattenrecycling

Als Prototyp für Einfamilienhäuser aus wiederverwerteten Bauteilen ließ Carsten Wiewiorra das Minihaus an seinem jetzigen Standort aufstellen. Die Außenwandelemente des „Plattenpalasts“ stammen von einem Marzahner Elfgeschosser der Serie WBS 70, errichtet 1987.

Unter der Regie von Bauingenieur Claus Asam wurde das Projekt zuerst in einer Halle der Technischen Universität Berlin aufgebaut. Im Vorfeld hatte der Bauingenieur monatelang Tests durchgeführt, um die Qualität der Platten sicherzustellen. Seine These: Plattenbauteile aus Beton sind auch nach dem Rückbau noch überdurchschnittlich gut und viel zu schade zum Wegwerfen.

Carsten Wiewiorra gab dem Recycling-Projekt seine neue Heimat. Nach dem Transfer in den Hinterhof wartete der Rohbau zwei Jahre lang auf seine zukünftige Bestimmung. Das Budget des jungen Architekten war erst einmal aufgebraucht.

Kunst im Palast

Die goldgelb spiegelnden Fenster vom Palast der Republik kamen wie gerufen, als dieser 2008 im Berliner Zentrum abgerissen wurde. Damit erhielt der „Plattenpalast“ seinen Namen und konnte 2009 als Kunstgalerie mit wechselnden Ausstellungen eröffnet werden.

Wohnen auf 30 Quadratmetern

Im Sommer 2015 kam eine weitere Nutzung hinzu: Das Wohnen im Minimalhaus.

Dieses Projekt entstand aus einem Studentenwettbewerb, den der Armaturen-Hersteller Grohe gemeinsam mit der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur auslobte.

Die Studenten Damaris Dreger und Sarah Hientzsch lieferten die siegreiche Idee, das Architekturbüro Wiewiorra Hopp Schwark Architekten erledigte die Ausführung. Dabei bleiben sie ihrem Prinzip treu: in diesem Palast ist jedes Bauteil recycelt.

Acht Jahre, nachdem das experimentelle Gebäude errichtet wurde, ist nun deutlich, dass Neubauten aus recycelten Platten eine Rarität geblieben sind.

Obwohl mehrere hunderttausend Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland rückgebaut wurden, wissen wir heute, dass die Wiederverwendung von demontierten Plattenbauelementen im großen Stil nicht stattgefunden hat – aus vielerlei Gründen.

Oft erfuhren die Ingenieure zu spät von Abrissprojekten, und die Abrissfirmen schredderten den Beton lieber, als die Teile vorsichtig abzubauen.

Außerdem hätte sich jemand um den Transport, das Einlagern und das Anbieten der Plattenbauteile kümmern müssen. Der Markt hat dagegen entschieden.

Die Kunstgalerie in der Wolliner Straße 50 in Berlin-Mitte bleibt ein Kleinod und Erinnerungsstück an eine Zeit des Übergangs. Probewohnen erwünscht.

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