• Schwedische Platte

    Schwedische Platte

In Sachsen-Anhalt gibt es mehr als 150.000 Plattenbauwohnungen vom Typ Wohnungsbauserie 70 (WBS 70). Mit der Eröffnung der neuen IKEA-Filiale in Magdeburg am 31. August 2017 ist noch eine dazugekommen, wenn auch eine unbewohnte. Denn das Einrichtungshaus hat eine Plattenbauwohnung samt grauen Außenwänden nachgebaut und in die Ausstellungsfläche integriert.

„Wir wollten unseren Kunden aus der Region Vertrautes bieten“, erklärt Manuela Retschke vom Marketing (Foto oben, rechts). „Und tatsächlich erleben wir oft, dass sich die Leute darüber freuen – selbst die, die mittlerweile nicht mehr in der Platte wohnen, weil sie das an früher erinnert.“ Gestaltet hat die 55 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung des Typs WBS 70 die Interieur-Designerin Daniela Sievers (Foto oben, links).

Der rund vierwöchigen Planungsphase sind eine umfassende Analyse der regionalen Einwohnerstruktur auf GfK-Datenbasis sowie rund 20 Besuche in verschiedenen Magdeburger Haushalten vorausgegangen. Auffällig dabei: Immer wieder wurden fehlende Ideen beklagt, wie man sich auf wenig Platz sinnvoll einrichten kann.

In Magdeburg gibt es rund 18.000 Studierende. Das spiegelt sich auch in der Einrichtung der Plattenbauwohnung im IKEA-Einrichtungshaus wieder. Daniela Sievers hat sich dafür eine Wohngemeinschaft vorgestellt: Ein Hauptmieter, der an der Universität arbeitet und über ein festes Einkommen verfügt sowie ein studentischer Untermieter, der viel reist und sein Zimmer in dieser Zeit an andere Reisende vermietet.

Um im gemeinschaftlich genutzten Wohnzimmer beiden ihren eigenen Stauraum zu ermöglichen, setzt Daniela Sievers auf eine farbliche Trennung in blau und braun. Individuelle Stilelemente werden mutig gemischt. Um mehr Stauraum zu gewinnen, wird die Raumhöhe von 2,60 Meter voll ausgenutzt. Standardisierte Module sind zu individuellen Lösungen zusammengestellt, eine Vielzahl an klapp- und rollbaren Elementen erhöht die Flexibilität und ermöglicht Arrangements je nach Bedarf.

Dieser Ansatz steht ganz im Geiste des Urhebers des WBS 70-Typs Wilfried Stallknecht. Er war nicht nur Architekt, sondern auch Möbeldesigner und propagierte das „Variable Wohnen“. So entwarf er modulare Möbelsysteme, die jedoch in der DDR nie in Serie gingen. Mit seiner Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Raumsituationen setzt das IKEA-Interieur die Grundidee Stallknechts um.

Das Wohnzimmer

Hier wird nicht nur gewohnt, sondern auch gegessen. Der Tisch der Arbeitsecke neben dem Sofa lässt sich leicht in die Zimmermitte platzieren und ermöglicht so gemeinsame Mahlzeiten mit Freunden.

Die Küche

Die Einrichtung der Küche sorgt für ein Höchstmaß an Funktionalität. Typisch für das Wohnungsbausystem 70 ist die Durchreiche zum Wohnzimmer. So entsteht eine direkte Verbindung zum Essbereich, der aufgrund der geringen Ausmaße der Küche ins Wohnzimmer verlagert ist. Zudem ermöglicht sie natürliches Licht in der innenliegenden Küche. Die beiden getrennten Kühlschränke sind der WG-Idee geschuldet.

Im Bad

Das innenliegende Bad ist typisch für die WBS 70. Obwohl nur drei Quadratmeter zur Verfügung stehen, gibt es hier eine Badewanne. Praktisch: Beschreibbare Oberflächen ermöglichen die Kommunikation zwischen den Bewohnern und anderen Nutzern.

Der Flur

Weil in Magdeburg im Schnitt drei Fahrräder pro Tag gestohlen werden, sollte für diese trotz begrenztem Raum Platz in der Wohnung geschaffen werden. Hier sind sie an der Wand gegenüber den Schuhschränken angebracht. Der direkte Übergang vom Flur in die Küche ist für diesen Plattenbautyp ebenso typisch wie die Kammer.

Mit Kammer

Sachen rein, Tür zu: die Kammer zur Aufbewahrung von allem, was nicht täglich benötigt wird: Staubsauger, Werkzeug, Obst …

Schlafzimmer 1

Im größeren der beiden Schlafzimmer lebt in der Vorstellung der Einrichterin der Hauptmieter. Mittelpunkt ist das große Bett, modulare Kleinmöbel bieten viel Raum zum Verstauen von Kleidung und anderen persönlichen Dingen.

Schlafzimmer 2

Das zweite Schlafzimmer mit Schlafsofa und Schreibtisch: Ruhe-, Arbeits- und Aufenthaltsraum für Gäste und Kurzzeitmieter.

Balkon

76 Prozent der Magdeburger haben einen Balkon. Die langgezogene schlauchförmige Variante findet sich in Plattenbauten häufig. Auch hier sind wieder Lösungen für wenig Platz gefragt, damit der Balkon bei schönem Wetter zum Wohnraum werden kann – oder, auch bei schlechten Wetter, zur Raucherecke.