• Studentenwohnheim "Am Silbermannpark"

    Studentenwohnheim "Am Silbermannpark"

    Verrückte Fuge

Gebäudeensemble "Am Silbermannpark", Foto: Michael Heinrich

Vorgefertigte Module aus Beton, deutlich sichtbare Fugen, ein rigoroses Raster: Das Studentenwohnheim "Am Silbermannpark" in Augsburg greift die Tradition des Systembaus auf, um sich mit seiner außergewöhnlichen Fassade gleichermaßen von ihr zu lösen.

Zwischen 2012 und 2014 realisierte das Büro Hild und K Architekten das Gebäudeensemble. Es besteht aus einem fünfstöckigen Längsbau mit drei Seitenriegeln, von denen einer auf zehn Stockwerke ansteigt. Hinzu gesellt sich ein Einzelgebäude mit quadratischem Grundriss, vier Etagen hoch.

Die Kubatur der Baukörper war bereits im Vorfeld festgelegt. So konzentrierte sich die Hild und K Geschäftsführung  – Andreas Hild, Dionys Ottl und Matthias Haber – sowie Projektleiter Markus Schubert auf die Grundrisse und die Fassade. 200 Apartments gruppierten sie so, dass keiner der Wohnräume an der Bahntrasse liegt, die im Norden direkt am Gelände vorbeiführt. Durch einen durchlaufenden Erschließungsgang und die Anordnung der Nebenräume errichteten sie eine akustische Barriere.

Systembauweise

Der Großteil der gestalterischen Energie floss in die Fassade. Das Besondere: Die Architekten von Hild und K setzten auf Systembauweise, bei der die Fassade aus tragenden Betonfertigteilen besteht. Damit leisteten sie einen Beitrag zur Nachhaltigkeit: je weniger tragende Wände im Inneren, umso flexibler und zukunftstauglicher das Gebäude. Denn damit können Apartments später bei Bedarf zusammengelegt werden.

So entwickelte das Projektteam für die Außenhaut des Gebäudeensembles Sandwichelemente, die aus einer Trag- und einer Vorsatzschale mit dazwischenliegender Dämmung bestehen.

Eine Fassade aus tragenden Betonfertigteilen und im Inneren standardisierte Grundrisse – die Parallelen zum Wohnungsbau der Ostmoderne sind deutlich. Mehr noch: Ebenso wie beim Plattenbau sind die Fugen zwischen den Fertigteilen sichtbar und die Fenster in einem gleichförmigen Raster angeordnet. Dionys Ottl, einer der Architekten, spricht jedoch lieber von Systembau. Denn auch wenn er die Zeit- und Kostenersparnis schätzt, die sich durch den Einsatz von Betonfertigteilen erreichen ließ: "Wir verwenden diese in einer Weise, die sich vom klassischen Plattenbau deutlich unterscheidet."

Denn beim konventionellen Plattenbau markieren die Fugen das Zusammentreffen der Geschosse im Inneren. "Von diesem Prinzip rücken wir in unseren Projekten ab. Wir hängen die Fertigteile zwischen die Geschossebenen. Die so entstehenden Fugen sind nicht länger ein Nebeneffekt der Konstruktion. Sie bilden einen unübersehbaren Kontrapunkt zur Gebäudemorphologie und werden so zum Ornament."

Fuge als Ornament

Die Fuge als Ornament, losgelöst von der inneren Struktur – der Grund dafür liegt im Umriss der Fassadenmodule. Sie sind kreuzförmig. Platziert man sie übereinander, entstehen an ihren Ecken freie Flächen – dort werden die Fenster eingepasst. Damit treffen die Fugen mittig auf die Fenster.

Betont werden die Fugen durch Fasen. Diese abgeschrägten Flächen an den Kanten werden beim Bauen mit Betonmodulen meist umgesetzt, um Abbrüche zu vermeiden. Beim Augsburger Ensemble sind sie mit 40 Millimetern außergewöhnlich breit. So springen dem Betrachter die Fugen als deutlich sichtbare Einkerbungen in die Oberfläche sofort ins Auge.

Auch in der Behandlung der Oberfläche zeigt sich der Willen zum Ornament. Ein an ein Schottenkaro erinnerndes Muster überzieht die gesamte Fassade. Die vertikalen und horizontalen Streifen entstanden durch unterschiedliche Schalungsebenen. Zusätzlich wurden Teile der Oberfläche in einem Sandstrahlverfahren aufgeraut. Der Beton erhielt dadurch eine hochwertige Optik.

Begrenzte Mittel

Manchen mag die Fassade monoton erscheinen. Tatsächlich waren im ursprünglichen Entwurf von 2009 noch Eckfenster und ein Staffelgeschoss vorgesehen, um das Volumen aufzulockern. Im Laufe der Zeit, unter anderem nach mehreren Investorenpleiten, musste der Entwurf abgespeckt werden. Trotz der schwierigen Bedingungen: Mit ihrem Systembau ist es Hild und K Architekten gelungen, einen nachhaltigen Bau zu realisieren, der moderate Mieten ermöglicht – und dem seriellen Wohnungsbau ein Gesicht jenseits des Konventionellen gibt.