• Wilfried Stallknecht

    Koryphäe Plattenarchitektur

 

Vom Unterschied zwischen Plattenbau und Platten bauen

Der Interviewfilm hebt den Architekten und Planer Wilfried Stallknecht mit seinen innovativen Arbeiten am Leninplatz – heute Platz der Vereinten Nationen – hervor. Seinen Blick in die Zukunft wirft Stallknecht aber auch auf Lösungsansätze zur Energieeffizienz und Nutzbarkeit erneuerbarer Energien in Plattenbausiedlungen.

Gestaltungselemente des Wohnens

In der Phase des Übergangs vom handwerklichen zum industriellen Bauen der DDR war Wilfried Stallknecht bereits an den ersten Entwicklungen des typisierten Wohnungsbaus maßgeblich beteiligt. Als Kaufmannssohn 1928 im sächsischen Geringswalde geboren, absolvierte der später habilitierte Dr.-Ing., Innenarchitekt und Architekt zunächst eine Ausbildung zum Tischler mit Meisterprüfung.

Im Grunde genommen sind die Gestaltungselemente des Wohnens im Inneren und Äußeren eine Platte, resümiert der auch heute noch unermüdliche Patentanmelder und Möbeldesigner in seiner Berliner Plattenbauwohnung in Fennpfuhl.

Aufbruch in die zweite Generation des Plattenbaus

Die Handschrift Stallknechts im typisierten Wohnungsbau begann sich 1954 mit einer Eigenheimserie abzuzeichnen, entwickelt im Institut für Typung und fortgesetzt durch weitere Typenprojekte für den mehrgeschossigen Wohnungsbau.

Im Institut für Hochbau der Deutschen Bauakademie erhielt Stallknecht 1960 die Aufgabe, zusammen mit Achim Felz und Herbert Kuschy die zweite Generation des Plattenbaus zu entwickeln.

Das für Jahre maßstabsetzende Ergebnis war der P 2-Versuchsbau Fennpfuhl, der als Wohnungstyp P 2 in Berlin und den Bezirken der DDR im großen Umfang gebaut wurde.

Auch die Entwurfslösungen, die Stallknecht später in der „Studie Plattenbau 69“ darbot, trugen wesentlich zur Entwicklung der für die gesamte DDR maßgeblichen Wohnungsbauserie WBS 70 bei.

Neben mehreren ersten und zweiten Preisen bei Wettbewerben, etwa für den Leninplatz und das Umgestaltungsprojekt Stadtkern Bernau, erhielt Stallknecht 1978 die Schinkelmedaille und 1981 den Architekturpreis der DDR.

Der Plattenbau im Inneren

Sicherlich einigen fachinteressierten Plattenbaubewohnern auch als "Erfinder der Durchreicheküche im Plattenbau" bekannt, war und ist Stallknechts Credo das „Variable Wohnen“. Bis heute ist er innenarchitektonisch an variablen Wohnungsgrundrissen und flexiblem Mobiliar interessiert: Sessel, Liege und Ottomane – kurz SELIO – ist eines der Wandelmöbel aus eigener Formgestaltung von Wilfried Stallknecht.

Ansonsten finden sich in seiner Wohnung hauptsächlich Möbel aus dem MDW-Programm (Montagemöbel der Deuschen Werkstätten), das sein Freund Rudolf Horn gestaltet hat.

Doch noch bevor das MDW die Wohnkultur der DDR maßgeblich prägte, hatte Horn für seinen Freund und späteren Kollegen Stallknecht schon ein Porträt gezeichnet, das seit nun mehr als 50 Jahren in Stallknechts Wohnung zu bestaunen ist.

Über das Entwerfen im System

„Entwerfen im System – Der Architekt Wilfried Stallknecht“ nannte sich im Jahr 2009 eine Ausstellung an der Brandenburgischen Universität Cottbus über das Lebenswerk eines der interessantesten Akteure der Planungs- und Architekturgeschichte der DDR.

Die Ausstellung, später auch in Bernau und Berlin gezeigt, trägt mit ihrem Titel auch treffend zum Porträt von Wilfried Stallknecht bei. Sein „Berufsweg im System“ lief keineswegs linear. Er hat den Beitritt in die SED konsequent abgelehnt und dennoch eine beispielhafte Karriere gemeistert.

 

Film (2011)
Realisation und Koordination: Wolfgang Keck
Konzeption: Wolfgang Keck & Jens Schulz
Vor- und Abspann: Jens Schulz
Kamerabild, Bildmontage: Christoph Rohn
Archivbilder: IRS, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH
Ein Produktion von keck kommuniziert! im Auftrag der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH