Die Wohlfühlwohnung

Jenny und Ronny mit Jason und Jill

Die Wohlfühlwohnung

3 Zimmer, 68 m², Berlin-Pankow > Typ WBS 70

Verkäuferin und Gebäudereiniger

Viele denken beim industriellen Wohnungsbau der DDR an anonyme Großsiedlungen. Aber „Platte“ bedeutet nicht automatisch zweistellige Geschosszahlen. Der Gebäuderiegel in der Elsa-Brändström-Straße beispielsweise hat gerade einmal fünf Stockwerke. Hier leben die 32-jährige Jenny und ihr drei Jahre älterer Ehemann Ronny in einer 68-Quadratmeter-Wohnung, TYP WBS 70, seit neun Jahren. Mittlerweile haben sich Sohn Jason (8) und Töchterchen Jill (3) dazu gesellt. Nummer Fünf im Bunde ist Langhaar-Chihuahua Lottchen.

Über einen Mangel an Gemeinschaft beklagen sie sich nicht, im Gegenteil: "Es ist hier wie auf dem Dorf", erzählt Jenny und meint es positiv: "Wir fühlen uns hier sehr wohl, wir haben viel Kontakt zu den Nachbarn." Das liegt vor allem an der offenen und fröhlichen Art des jungen Paares. Aber auch die Architektur trägt dazu bei. Denn bei fünf Etagen ist die Anzahl der Nachbarn überschaubar und das Kennenlernen einfach.

Zudem ist die Familie durch die Lage der Wohnung in Hochparterre ganz nah dran am Leben vor und hinter dem Haus. Der viel genutzte Balkon, direkt neben der Haustür gelegen, ist ideal für nachbarschaftliches Grüßen und Plauschen. Auch an der Rückseite, mit direktem Blick auf Spielplatz und Grünanlage, fällt der direkte Kontakt zu den Eltern und Kindern der Umgebung leicht – einmal das Fenster geöffnet und Draußen und Drinnen rücken ganz nah aneinander. Und das viele Grün zu beiden Seiten lässt besonders zu den warmen Jahreszeiten vergessen, dass das Gebäude mitten in einer Großstadt liegt, in direkter Nähe von Einkaufszentrum und Bundesstraße.

Balkon

Wie wohl sich die Familie fühlt, verrät auch die Energie, die sie in die Gestaltung ihrer eigenen vier Wände investiert. Hier wird unablässig gebohrt, gehämmert, gestrichen, um- und eingebaut: "Wir sind Stammgäste im Baumarkt", lacht Jenny, "die kennen uns da schon." Schon drei Mal bekam das Wohnzimmer einen neuen Look. Das bedeutet aber nicht, einfach nur Flächen mit Farbe zu streichen. Es darf gerne einfallsreicher sein: Derzeit erstrahlt der obere Teil in einem intensiven Purpur, das je nach Licht mal rötlicher, mal bläulicher erscheint, der untere Bereich ist in Grau gehalten und zwischen den beiden Flächen verlaufen genau gezogene weiße Linien.

Die treibende Kraft beim Heimwerken ist Ronny. Renovieren ist sein Hobby. Und das vollbringt er mit einem Maß an Präzision und Kreativität, das weit über das Übliche hinausgeht. Die Deckenlampe im Wohnzimmer beispielsweise hat er nicht nur hergestellt, sondern auch selbst entworfen: Ihr Korpus besteht aus Zierleisten, wie sie auch die Wände von der Decke trennen, und neun Plexiglas-Würfeln tragen jeweils eine LED-Leuchte in sich.

Wohnzimmer

Überall in der Wohnung sind die Spuren seiner Aktivitäten zu sehen. Die Wände der innenliegenden Küche etwa hat er von Außen mit Ziersteinen versehen, hinter der Deckenleiste – wie an vielen anderen Stellen in der Wohnung – sorgen LEDs für leuchtend-bunte Akzente. So auch im Flur, wo eine im Sideboard eingebaute Lichtquelle Atmosphäre schafft. Highlight hier ist jedoch die Decke. Die hat Ronny abgehängt, um Spots zu integrieren, die den Raum mit gleichmäßigen, weichen Licht versorgen.

Schlafzimmer

Auch im hinteren Bereich der Drei-Raum-Wohnung, wo die beiden Kinderzimmer liegen, sind die Zimmer liebevoll hergerichtet. Jill spielt und schläft in Weiß und Rosa, in Jasons Zimmer fällt wieder die besondere Gestaltung der Wände auf: Auch hier hat Ronny ein aufwändiges Muster aus präzise ausgeführten weißen Streifen auf das Grau gemalt, selbst die Bilder über dem Bett bekamen einen zusätzlichen Rahmen aus Farbe.

Und welches Projekt kommt als nächstes? Es ist die Küche. Sie soll einen neuen Anstrich und mehr Ablagefläche bekommen. Das allein ist aber natürlich nicht Herausforderung genug. Und deswegen wird – wie im Flur – die Decke niedriger gesetzt, sodass auch hier Strahler integriert werden können.

Küche

"Die Küche machen wir aber im Sommer", bemerkt Jenny augenzwinkernd. Denn als Ronny das Bad renovierte, war es Winter. Und Jenny wich während der Arbeiten mit den Kindern auf den Spielplatz, in die Kälte, aus. Ob an mehreren Tage, so Jenny, oder doch nur für ein paar Stunden, so Ronny – die Erinnerungen der beiden gehen da auseinander. Letztlich aber sind sie sich lachend einig, dass das Ergebnis zählt: ein neu gekacheltes Bad wie aus Profi-Hand.

Bad

Auch bei der Nutzung der Räume sind Ronny und Jenny kreativ und gehen eigene Wege. Als Jason zu alt wurde, um sich mit seiner Schwester ein Zimmer zu teilen, zog das elterliche Bett kurzerhand ins Wohnzimmer. Das ehemalige Elternschlafzimmer bewohnt nun der Sohn und das Paar schläft dort, wo früher einmal der Esstisch stand: direkt vor der Durchreiche zwischen Küche und Schlafzimmer. Das große Bett passt genau in die Nische – der Platz wird optimal genutzt.

Durch das Einzelbett in ihrem ehemaligen Schlafraum hat Jason ordentlich Platz, um sich mitsamt Spielsachen auf dem Boden auszubreiten. "Räume, die nur zum Schlafen genutzt werden, finde ich sowieso überflüssig", erklärt Ronny. Und auch Töchterchen Jill gefällt die Lösung. Denn aus den Augen einer Dreijährigen ist ein Bett vielleicht nachts zum Ruhen da. Tagsüber jedoch ist es ein großes Spielzeug, auf dem es sich prima hüpfen und toben lässt.

Die Fotostrecke entstand im Juni 2017

Redaktion: Roland Ernst, TEMA

Fotos: Claudius Pflug