Lichtdurchflutet und wunderschön

Plattenbewohnerin & Fotografin Mia

Lichtdurchflutet und wunderschön

4 Zimmer, 105 qm, Berlin-Mitte > Sonderkonstruktion WBR Spandauer Vorstadt

Der Wunsch nach klarem Aufbau und viel Platz

Mia Luises Wohnung ist umwerfend schön: hochwertig saniert, sehr geschmackvoll eingerichtet und von Licht durchflutet. Topbedingungen für die Fotografin, welche teilweise von zu Hause aus arbeitet.

Die 105 qm große Traumwohnung ist der jungen Frau jedoch nicht einfach in den Schoss gefallen. Sie hat dafür die Hemdsärmel hochgekrempelt und eigenhändig mitrenoviert.

Da hat das anschließende Einrichten mit lauter Möbelklassikern der Designgeschichte, aber auch vielen kleinen, feinen Alltagsgegenständen gleich doppelt Spaß gemacht. Das Ergebnis ist klar wie anheimelnd, sodass man Mia Luises Wohnung nur ungern wieder verlässt.

Wie hast du deine tolle Wohnung gefunden?

Über einen Vermittler der WBM. Ich wäre früher nicht auf die Idee gekommen, in eine Platte zu ziehen. Zwei Freunde von mir lebten aber bereits in wunderschönen Plattenbauwohnungen und hatten den Kontakt hergestellt.

Eine sanierte Altbauwohnung in dieser Größenordnung und Lage war mir schlichtweg zu teuer. Ich hatte sehr lange gesucht und konnte einfach nichts Passendes finden. Ich hatte mir dann einige Plattenbauwohnungen angeschaut, doch bei dieser war mir schnell klar: Das ist sie!

Ich habe mir immer einen klaren Aufbau gewünscht, keine verwinkelten Räume, ich wollte dieses cleane Ambiente und vor allem hatte ich den sehnlichen Wunsch nach viel Platz.

Also hast du deshalb ausdrücklich nach einer Plattenbauwohnung gesucht?

Ja, auf jeden Fall. Ich lebte davor wie fast alle meine Freunde in Altbauten. Dort habe ich immer gefroren.

Die hohen Decken sehen zwar schön aus, aber im Winter fordern sie stets ihren Tribut. In meiner letzten Wohnung hatte ich 4,20 hohe Decken, ich konnte die Heizung aufdrehen wie ich wollte – ich bekam den Raum nie wärmer als 17 Grad. Das hat mir den schönsten Wohnraum vergrätzt.

Und außerdem war es auch immer schon mein Traum, in einem Kubus zu wohnen oder in einem Bauhaus, mit einer ganz einfachen Struktur. Ich war als Kind schon sehr ordentlich und mag es gern schnörkellos, das lenkt mich nicht so ab. Da war die Platte perfekt!

Außerdem hat die Wohnung einen Fahrstuhl, das ist wichtig, damit ich meine ganze Fotoausrüstung nicht immer durchs Treppenhaus schleppen muss. Im Februar 2008 habe ich meinen Mietvertrag unterschrieben und direkt mit dem Renovieren losgelegt.

Wieso musstest du direkt renovieren? Was war denn dein erster Eindruck von der Wohnung?

Ich mochte die Raumaufteilung sofort, den Grundriss hatte ich vor dem ersten Besichtigungstermin zugeschickt bekommen.

Als der Mitarbeiter der WBM die Wohnungstür aufschloss, hatte das jedoch fast Slapstick-Charakter. Er ist mit eingezogenem Kopf durch den Flur geschlichen und räusperte sich kurz: Die Wohnung sei in einem renovierungsbedürftigen Zustand, er sei sich nicht so sicher, ob ich noch einen Blick drauf werfen wolle.

Meine Vormieter hatten über zwanzig Jahre dort gelebt und wie das so ist, wenn jahrzehntelang absolut gar nichts an den Räumlichkeiten gemacht wird, waren sie sehr verwohnt.

Ich bin erst mal zehn Minuten wortlos durch die Zimmer gegangen und habe mir alles in Ruhe angeschaut. In meinem Gehirn ratterte es schon, was man renovieren müsse und wie ich was gestalten würde.

Und was hast du dann tatsächlich an der Wohnung gemacht und wie lange hast du dafür gebraucht?

Die Wohnung wurde komplett entkernt, alle Tapeten und Teppiche entfernt. Und dann haben wir mit dem Renovieren begonnen. Wie lange wir dafür gebraucht haben, kann ich gar nicht mehr so genau sagen.

Ich bin jedoch sehr froh, dass ich mich dazu entschlossen habe. Die Wohnqualität ist phänomenal und optisch bin ich immer noch hellauf begeistert.

Wir haben die Wände neu verputzt und weiß gestrichen, im Wohnzimmer habe ich jedoch ein kleines Stück der Betonwand belassen. Ich mag diese Betonstruktur sehr, aber mehr davon hätte zu viel Licht geschluckt.

Anschließend haben wir die Böden gegossen, das Bad neu gefliest und zuallerletzt habe ich alle Türen und Fenster lackiert.

Es ist schön zu sehen, dass es sich lohnt, wenn man sich Mühe gibt. So tatkräftig mitgearbeitet zu haben, gibt einem ein ziemlich gutes Gefühl. Vielleicht fühle ich mich deshalb auch so verbunden mit meiner Wohnung.

Womit hast du bei der Renovierung oder Wohnungseinrichtung begonnen?

Ich habe alle Räume gleichzeitig renoviert und auch eingerichtet. Ich hatte davor auf 20 qm gewohnt und mich dann auf 50 qm Wohnfläche gesteigert.

Auf einmal 105 qm ganz für mich allein zu haben, da war ich einfach nur selig wie ein kleines Kind. Ich hatte jeden Zentimeter genau vermessen und Skizzen von den Räumen erstellt und konnte es kaum erwarten, meine Möbel hier aufzustellen.

Außerdem habe ich während der Renovierungs- und -einrichtungsarbeiten bei meiner Mutter auf der Couch geschlafen, da hätte ich mich nicht nach und nach vorarbeiten können. Es musste schnell und effizient von statten gehen, schließlich wollte ich wieder eine eigene Bleibe haben. Meine Wohnung ist mir als Rückzugsort eben sehr wichtig.

Wie viele Zimmer sind es eigentlich?

Vier Zimmer plus Küche und Bad. Neben Wohn- und Schlafzimmer habe ich ein Gästezimmer und ein Büro. Und natürlich meinen Balkon!

Hat deine Wohnung noch eine weitere Besonderheit außer dem Balkon?

Ja! Eine Badewanne! Das war ebenfalls etwas, worauf ich sehr viel Wert gelegt habe.

Hinzu kommt der Fahrstuhl, der es für mich noch komfortabler macht, im 7. Stock zu wohnen. Ständig könnte ich hier nicht hochkraxeln!

Welcher ist dein Lieblingsraum?

Das Wohnzimmer gefällt mir gut, da es so schön luftig ist. Vom Aufbau her ist es auch sehr symmetrisch.

Und der Balkon, der davon abgeht, ist natürlich fantastisch, den habe ich mit ganz vielen Blumen, Pflanzen und Sitzgelegenheiten bestückt. Nicht nur, dass ich dort den ganzen Tag Sonne habe, sondern auch der Blick auf die Stadt ist atemberaubend schön.

Man sieht die goldene Kuppel der Synagoge und den Berliner Dom, der grünlich schimmert. Beides hat etwas derart Friedliches. Eigentlich aber mag ich jeden Raum in meiner Wohnung, denn jeder Raum hat mindestens ein Detail, das mir gefällt.

Hast du ein Lieblingsmöbelstück oder -objekt?

Details finde ich gut. In meiner Küche findet man deshalb ganz viele Lebensmittel aus aller Herren Länder. Die kaufe ich in Urlauben oder Freunde haben sie mitgebracht, um mir eine Freude zu bereiten. Ich finde es super, wie unterschiedlich die Verpackungen aussehen, oft sind das kleine Designwunder. 

Eines meiner Möbelstücke stand in jeder Wohnung, in der ich bisher gelebt habe: Die alte Anrichte im Wohnzimmer ist von meiner Urgroßmutter und mir lieb und teuer.

Ich mag auch die Tafel in meinem Büroraum. Als Kind hatte ich eine riesige Wand für Notizen über meinem Schreibtisch. Das fand ich toll und deshalb habe ich mir so etwas auch in das Arbeitszimmer gebaut. Dafür habe ich eine Fläche abgeklebt und zunächst mehrfach mit Magnet- und dann mit Tafelfarbe bestrichen. So kann ich die Wand mit Kreide beschreiben, aber auch Fotos usw. festpinnen. 

Ich habe mich immer schon sehr für Einrichtung und Möbel interessiert, da ist mit den Jahren schon einiges zusammen gekommen. Dinge, die ich auf der Straße gefunden habe, bei Ebay ersteigern konnte oder meine Eltern mir überlassen haben.

Für diese Wohnung habe ich kein einziges Möbelstück neu gekauft. Die Stühle im Wohnzimmer habe ich auf dem Sperrmüll entdeckt, es sind Originale von Eames.

Meine Eltern haben mir zum Einzug einen alten Amsterdamer, den Rolladenschrank im Schlafzimmer, vermacht. Der Schubladenschrank im Gästezimmer stand bei uns im Treppenhaus, mit einem "Zu Verschenken-Schild" versehen.

Apropos: Wie ist das mit den Nachbarn? Kennst du sie?

Im Prinzip kenne ich alle vom Sehen. Die meisten mag ich, zu einigen habe ich auch ein sehr gutes Verhältnis, das ist sehr angenehm.

So läuft man auch nicht grußlos aneinander vorbei, wenn man sich zufällig im Treppenhaus begegnet. Diese gleichgültige Anonymität finde ich ohnehin eine Unsitte.

Darüber hinaus ist es auch praktisch: Es ist immer irgendwer da, der gern ein Post-Päckchen annimmt.

Seit einiger Zeit lebt auch ein Pärchen aus meinem Freundeskreis im Haus. Ich sehe sie dadurch oft spontan und man achtet auf die Wohnung des Anderen. Wir gießen auch gegenseitig unsere Blumen, wenn einer in den Urlaub fährt. Das ist toll.

Was sagen andere Leute, die zum ersten Mal zu dir in die Wohnung kommen?

Sie sind überrascht, dass es hier so freundlich ausschaut. Die meisten assoziieren mit einer Platte eine zappendustere, enge Wohnung, einfach etwas Dunkles und Bedrückendes. Die wundern sich dann über die lichthellen Räume und vergessen ihre Voreingenommenheit, die sie gegenüber einer Platte hatten.

Jeder fühlt sich hier sofort wohl. Und mir geht es nach vier Jahren ganz genau so. Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich aufwache, dass ich hier wohne.


Koordinierung: Rahel Morgen
Fotos: Mirjam Wählen