"Mein Königreich" im Plattenbau

Plattenbau-Interior: Zu Besuch bei Stephanie

"Mein Königreich" im Plattenbau

1 Zimmer, 38 m², Berlin-Mitte > Typ P2/RathausPassagen

Das Erste, was ein Besucher in dieser Wohnung macht? Das Handy zücken und ein Foto der phantastischen Aussicht schießen.

Egal von wo man in der Wohnung schaut, vom Bett, vom Schreibtisch, vom Sofa: der Blick schweift nach draußen, in die Weiten der Stadt, den Turm des Roten Rathauses und sogar das Brandenburger Tor im Blick.

Dieser Blick war auch das Argument, sich für das Apartment sofort zu begeistern, das bei Besichtigung einer Baustelle glich. Trotz des dunklen Winterhimmels beleuchteten die Lichter von Berlin-Mitte das Potenzial der Wohnung.

Obwohl im Eigenheim aufgewachsen, hatte Stephanie keinerlei Berührungsängste mit dem riesigen Haus am Alexanderplatz. Dass es sich dabei um einen Plattenbau handelt, ist eher Zufall.

Seit über fünf Jahren lebt die Studentin der Sportwissenschaften in dem Wohnkomplex, nach einer Zeit als WG-Bewohnerin hat sie nun ihr eigenes Reich direkt neben dem Fernsehturm. Unten tummelt sich das Leben, oben herrscht Ruhe.

Trotz seiner gerade einmal 38 m² Fläche wirkt das kleine Apartment mit der cleveren Aufteilung und vor allem den riesigen Fenstern luftig.

Was am Anfang in Rottönen gehalten war, sollte bald mehr Klarheit bekommen. Stephanie mag es nämlich nicht nur sportlich, sondern eben auch kreativ.

Die Couch und andere Möbel wandern daher von Zeit zu Zeit auch quer durch den Raum. Dass Stephanie Farben mag, ist nicht zu übersehen. Von den Turnschuhen, über die Badezimmerdeko bis hin zum Bett leuchten heitere Töne.

Schlafen und Arbeiten

Der Schlafbereich fällt besonders auf, denn er gleicht einem Blumengruß. Die Standardvariante des Bettes kam in dunkelbraun, doch es sollte heller und freundlicher werden. In einem Bastelladen gelandet, entdeckte Stephanie nicht nur ein blumiges Geschenkpapier, sondern ebenso einen ganzen Haufen Einfälle. So verwandelte sich – mithilfe von Kleber und jeder Menge Geduld - das braune Bett in einer Nacht- und Nebenaktion in ein Blumenmeer.

Küche

Die Küche ist der einzige Ort, den Stephanie so belassen würde, wie er ist – durch die originale Durchreiche hätte sie gern zurück. Sie wurde bei der Sanierung zugunsten einer offenen Wohnlandschaft entfernt. 

Sehr praktisch findet Stephanie auch die Kammern auf den Verteilergängen, ein Merkmal des Plattenbautyps P2, denn Keller gibt es nicht. Dafür haben die Bewohner auf kurzen Wege eine Ort, wo all das gelagert werden kann, was man nicht immer braucht, einem aber doch lieb und teuer ist.

Das Einzige, was wirklich fehlt, so die Bewohnerin, sei das Grün. Zwar schaut man Richtung Fischerinsel auf viele Bäume, aber direkt vor dem Fenster dominiert die Dachlandschaft zwischen Alex und Schlossplatz. Daher wird einfach zwischen den Möbeln gegärtnert, ganze neun Zimmerpflanzen sorgen für einen entsprechenden Großstadtdschungel.

Und wie lebt es sich in einem Haus mit über 360 Wohnungen? „Wir haben hier eine nette Nachbarschaft, man hilft sich gegenseitig. Sehr praktisch, wenn man sich zum Beispiel einmal aussperrt…“, sagt Stephanie grinsend.

Die Fotostrecke entstand im April 2015


Redaktion: Martin Püschel
Fotos: Claudius Pflug