Plattenbau 13. Stock

Plattenbau-Bewohner Steffen

Plattenbau 13. Stock

Runterkommen ganz oben

Die RathausPassagen befinden sich direkt gegenüber dem Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz. 1972 wurde das Wohn- und Geschäftshaus fertiggestellt, als Prestigeobjekt der ehemaligen DDR-Hauptstadt. 

Seit zwei Jahren wohnt Steffen hier im 13. Stock. Es ist es schon seine zweite Wohnung in dem Gebäude. Seine vorherige Bleibe bezog er 2012. Sie hatte einen Raum weniger, jetzt bewohnt er mit seinem Mitbewohner geräumige 86 Quadratmeter.

Warum er hier so gerne wohnt, erkennt man schon wenige Sekunden, nachdem man die Wohnung betreten hat: Vor den Fenstern des Wohnzimmers und der Küche entfaltet sich ein grandioses urbanes Panorama. 

Direkt gegenüber das Rote Rathaus und die Nikolaikirche, links tobt der Verkehr auf Mühlendamm und Gertraudenstraße, gut sichtbar auch die Hochhäuser der Fischerinsel und der Leipziger Straße, in der Ferne der Potsdamer Platz. Bekrönt wird das alles durch ein riesiges Stück Berliner Himmel.

Besonders spektakulär sei der Ausblick bei Schlechtwetterfronten, zum Beispiel bei Gewitter, erzählt Steffen. Schon oft konnte der 28 jährige Eventmanager beobachten, wie Blitze in die Nikolaikirche einschlugen. „Draußen ist immer was los“, lacht er.

Bei so einer Aussicht fällt erst der zweite Blick auf die Einrichtung. Doch auch der lohnt sich. Alles wirkt wie aus einem Guss. Die Wände hat Steffen fast ausnahmslos verputzt und weiß gestrichen. Im Kontrast dazu durchziehen dieselben dunkelbraunen Dielenböden die Räume, bis auf das Badezimmer. 

Auch die Möbel folgen dem Spiel der Gegensätze: cleane, hochglänzende Oberflächen wechseln sich mit Antikem ab. Die zur Sitznische umgestaltete Fensterbank im Wohnzimmer zum Beispiel besteht aus Waggonbohlen. Steffen hat sie bei einem Händler für historische Bauelemente im Brandenburg entdeckt.

Modell: P2 Typ RathausPassagenGrundriss

Wohnzimmer

Mittelpunkt der Wohnung ist die Küche. Den Raum hat Steffen beim Einzug völlig neu arrangiert. Die Möglichkeit, den Grundriss nach eigenen Ideen zu gestalten, war neben dem Ausblick ein weiterer Grund, warum er beim Umzug dem Gebäude treu blieb. 

Denn ebenso wie in seiner ersten Wohnung waren viele der Innenwände nicht tragend und konnten – typisch Platte – leicht entfernt werden. Das nutzte er schon in seiner vorherigen Bleibe. Dort hob die Trennung zwischen Küche und Wohnzimmer auf. Und auch in seinem jetzigen Zuhause veränderte er den Zuschnitt, indem er Koch- und Essbereich zusammenfasste.

Als er einzog, war die Küche noch durch die berühmte P2-Durchreiche vom Esszimmer getrennt. „Die war so marode, die konnte ich nicht retten und musste sie rausreißen“, berichtet Steffen. 

Nun steht eine große Kochinsel mitten im Raum, daneben ein Esstisch. Spüle und Kühlschrank sind in Nischen integriert. Selbst ein Klavier fand noch Platz. Auch vergrößerte er den Durchgang zum Wohnzimmer und beließ ihn offen. 

Die beiden Bereiche wirken nun wie Teile eines einzigen Raumes – perfekt, um gesellige Abende mit Freunden zu verbringen.

Die Küche

Zum großzügigen Eindruck der Wohnung trägt bei, dass die Tür zwischen Flur und Küche entfernt wurde. So fällt Tageslicht in die Mitte der Wohnung und der Gast erhält schon beim Betreten der Wohnung einen ersten Eindruck vom grandiosen Panorama vor den Südwest-Fenstern. 

Steffen setzte hier auf dieselben Kontraste wie auch sonst in der Wohnung: ein massiver Spiegel mit dunklem Holzrahmen ziert die ansonsten weißen Wände. 

Der Flur

Flur und Bad trennen wie üblich in Plattenbauwohnungen vom Typ P2 Wohn- und Ruheräume voneinander. So befinden sich auch hier die Schlafzimmer von Steffen und seinem Mitbewohner im hinteren Bereich der Wohnung, nach Nordosten ausgerichtet. 

Beide Zimmer sind fast identisch geschnitten und bieten genügen Platz, um ein geräumiges Bett und ein paar weitere Möbel wie Schrank oder Schreibtisch unterzubringen. 

Das Bad

Geschickt eingerichtet ist auch das kleine Bad. Großflächige Kacheln vergrößern den Raum optisch und sorgen für eine ruhige Stimmung. Hochwertige Materialien, edle Armaturen sowie eine ausgefeilte Lichtregie schaffen Wellness-Atmosphäre. 

Die Schlafzimmer

„Die Größe der Schlafzimmer ist völlig ausreichend“, erklärt Steffen. „Zum Wohnen ist ja der vordere Teil der Wohnung da.“ 

Und schon beginnt er wieder vom Ausblick zu schwärmen. So bezeichnet er die Leinwand für den Beamer im Wohnzimmer als „das überflüssigste Objekt in der ganzen Wohnung. Die hätte ich mir eigentlich sparen können.“ 

Denn die Projektionsfläche hat er so angebracht, dass sie den Blick nach außen versperrt – wenn er sie denn ausrollen würde. Doch das sei bislang erst einmal passiert. 

Der Grund: Nichts lässt Steffen besser entspannen als ein Blick vom 13. Stock auf den Großstadttrubel unten auf den Straßen. „Ich sitze nach der Arbeit manchmal stundenlang auf dem Sofa und beobachte den Verkehr. Herrlich zum Runterkommen, besser als jeder Film.“