Plattenbau mit News York-Feeling

Plattenbau-Interior: Zu Besuch bei Stephanie, Nils & ihren zwei Kindern

Plattenbau mit News York-Feeling

4 Zimmer, 135 m², Berlin-Mitte > Sonderkonstruktion Nikolaiviertel

Puppenstube mit rauchender Katze. Und da kann man wohnen?

Tourigegend. DDR-Disneyland. Erichsdorf. Sicher gibt es noch etliche andere Bezeichnungen für das Berliner Nikolaiviertel. Tausende Touristen strömen durch die Gässchen mit ihren größtenteils historisierenden Plattenbauten - dass es sich in erster Linie jedoch um ein beliebtes Wohnviertel handelt, ahnt kaum jemand.

Genauer gesagt befinden sich auf diesem winzigen Fleck Berlin tatsächlich rund 800 Wohnungen.

Seit 2011 leben in einer dieser Wohnungen Steffi & Nils mit ihren zwei Kindern. Da Steffi im Rundfunk-Kinderchor Berlin sang und des Öfteren im benachbarten Palast der Republik auf der Bühne stand, kannte sie das Nikolaiviertel bereits sehr gut; eine Freundin aus Kindertagen lebte im Gässchen „Am Nußbaum“.

Architekt Nils dagegen hatte das Viertel bisher eher als touristischen Ort wahrgenommen, als beide die Wohnungsanzeige lasen.

Der eine logierte in Kreuzberg, die andere in Friedrichshain – so kam es, dass sich beide nach einem Jahr Suche in der Mitte trafen, um zusammen zu ziehen.

Nicht nur der Schnitt der Wohnung überzeugte sofort. Lachend bemerkt das Paar, dass der versteckte Hauseingang, eingezwängt zwischen Brandwand und Mülltonnen-Platz, ein gewisses New-York-Feeling inmitten des Plattenbau-Dorfes versprühe.

Die Familie lebt gern im Nikolaiviertel. Leider, so finden beide, ist das Quartier eher ungeeignet für jüngeres Publikum, es fehle einfach an echtem „Kiez-Charakter“. So gibt es weder ein gemütliches  Café noch einen Tante-Emma-Laden, in denen sich die Nachbarschaft treffen könnte. Trotz der tollen Nachbarschaft begegnet man sich eher am Briefkasten als auf der Straße. Auf der anderen Seite, da sind sich beide einig, sind die schönen Wohnungen und die Stille mitten in der Stadt ein großer Pluspunkt.

Die Wohnung besticht durch ihre Großzügigkeit, gepaart mit klaren Linien und liebevollen Details. Die Weitläufigkeit, die große Flügeltür am Wohnzimmer sowie die tiefen Fenster, welche wie Sitznischen wirken, verleihen dem Zuhause eine geradezu herrschaftliche Anmutung. Die Platte von ihrer elegantesten Seite.

Mit einem Augenzwinkern erzählt Steffi vom anfänglichen Hitchcock-Gefühl im Schlafzimmer - die gewaltigen Krähenschwärme in den Bäumen vor dem Fenster mussten mittels Rollo ausgeblendet werden. Abwechslung brachte da unter anderem die „rauchende Katze“: Da das Paar sich entschied, die ungeliebte Raufaser von den Wänden zu tilgen, blieben auf dem Beton die Spuren von Kleister und Putz zurück. Ähnlich den Phantasiebildern in Wolkenformationen ergaben sich so diverse Figuren an den heimischen Mauern, die es bis heute immer wieder neu zu entdecken gibt. Das Redaktionsteam findet ganz klar: Wer in der größten Puppenstube der Stadt lebt, muss früher oder später Mary Poppins erspähen. Passt ja auch zu Disneyland.

Tipp: Unsere Plattengalerie mit Bildern und Fakten zum Nikolaiviertel

Redaktion: Martin Püschel
Fotos: Claudius Pflug