Plattenbau statt Altbau

Plattenbau-Interior: Zu Besuch bei Fotograf Ulf

Plattenbau statt Altbau

3 Zimmer, 66 m², Berlin-Mitte > P2 Typ RathausPassagen

„Wenn ich in der Platte wohne, will ich den Beton auch sehen.“

Wenn man sich aufgrund der Eigentumsverhältnisse in Prenzlauer Berg in der eigenen Wohnung „nur noch geduldet“ fühlt, ist es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel.

So sah es Fotograf Ulf, der fast täglich mit dem Fahrrad den Alexanderplatz überquerte – und damit auch an den RathausPassagen entlang fuhr. Mal etwas Anderes und zudem bezahlbar, dachte er sich.

Kurzerhand bewarb sich Ulf um eine Wohnung in dem Haus, das im starken Kontrast zu seinem alten Kiez am Prenzlauer Berg steht: 359 Wohnungen, die auf einem Einkaufszentrum thronen. Das Leben in der Platte kannte Ulf aus seiner Kindheit – mit seiner Schwester teilte er sich das 11 m² kleine Zimmer in der elterlichen Wohnung. 

Wichtig war Ulf vor allem die Aussicht. Die könnte hier besser nicht sein, der Blick aus dem Fenster bietet ein Postkartenmotiv nach dem nächsten:  Rotes Rathaus, Dom, Neptunbrunnen, Marienkirche, Fernsehturm, Alexanderplatz. 

Unten auf der Straße, sagt Ulf, vermisse er neben dem Trubel das alltägliche Leben, etwa einen guten Bäcker oder ein schönes Café. Der Preis für das Wohnen in Toplage sei die touristische und damit oft ramschige Ausrichtung der Ladengeschäfte, die häufigen Events vor dem Rathaus wären manchmal anstrengend.

Als Trostpflaster allerdings kann man hier mitten in der Stadt den Blick in die Ferne schweifen lassen. Vom Wohnzimmer aus.

Zunächst bezog Ulf eine 1-Zimmer-Wohnung. Da er auch von zu Hause aus arbeitet, kam es sehr gelegen, dass im Laufe der Zeit im selben Haus eine größere Wohnung frei wurde.

Der Umzug war somit von kurzen Wegen gekennzeichnet, die neue Wohnung dagegen vom Charme der 1970er Jahre. Beim Abkratzen der Tapeten legte Ulf jene gemusterten Tapeten frei, zu welchen die früheren Bewohner ihre 50er-Jahre-Möbel kombinierten. 

Auch Raufaser, seit Jahrzehnten Klassiker deutschen Wandschmucks, kam nicht in Frage. Die Betonwände wurden freigelegt, teilweise roh belassen oder weiß übergestrichen. Dem alten Bodenbelag wurde mittels schlichtem blauen Vinyl zu Leibe gerückt, das sich durch die gesamte Wohnung zieht. Dieser Purismus bestimmt alle Räume, die spartanischen Wände versah Ulf mit Drahtseilen, an denen er Andenken, Bilder und Fundstücke immer wieder neu arrangiert. So befinden sich diese „Galerien“ in ständigem Wandel, der Beton verändert immer wieder sein Gesicht. 

Auch Raufaser, seit Jahrzehnten Klassiker deutschen Wandschmucks, kam nicht in Frage. Die Betonwände wurden freigelegt, teilweise roh belassen oder weiß übergestrichen. Dem alten Bodenbelag wurde mittels schlichtem blauen Vinyl zu Leibe gerückt, das sich durch die gesamte Wohnung zieht. Dieser Purismus bestimmt alle Räume, die spartanischen Wände versah Ulf mit Drahtseilen, an denen er Andenken, Bilder und Fundstücke immer wieder neu arrangiert. So befinden sich diese „Galerien“ in ständigem Wandel, der Beton verändert immer wieder sein Gesicht. 

Wohnzimmer

„Man entscheidet sich bewusst, so zu wohnen.“, sagt Ulf, schließlich würde er auch keine Gründerzeitmöbel in eine so klar gestaltete Wohnung stellen. Stattdessen erzählen schöne Einzelstücke, die wunderbar mit der Umgebung korrespondieren, ihre kleine Geschichte. Die Stühle nehmen die Farben von Boden und Küchenblock auf, der Teppich führt die Betonwand optisch auf den Fußboden. Das Sofa kaufte Ulf „second hand“ am Schlesischen Tor, den ausziehbaren Esstisch fand er bei seinen Eltern: Er war das erste gemeinsame Möbelstück der beiden. Unter anderem deshalb hängt Ulf’s Herz sehr an dem Stück; außerdem, so sagt er, sei es heute „schwierig, so ein wunderbar funktionales Möbel zu bekommen“.

Arbeitszimmer

Auch im Arbeits- und im Schlafzimmer stehen nur wenige klare gestaltete Möbel wie ein schlichtes weißes Bett oder ein Schreibtisch. Kommoden oder gar einen Kleiderschrank sucht man vergeblich. Und wo sind alle seine Sachen untergebracht? Glücklicher Weise befindet sich im Eingangsbereich ein Einbauschrank, den man trotzt seiner Größe überhaupt nicht wahrnimmt. “Sehr praktisch und aufgeräumt!“, sagt Ulf mit einem Lächeln im Gesicht, während 13 Etagen tiefer das bunte Treiben unter dem Fernsehturm seinem alltäglichen Chaos nachgeht.

Einige von Ulf’s Nachbarn zeigen ebenfalls ihr Zuhause in den RathausPassagen:
Zu Besuch bei Monika & Uwe Köhler & Steffen Hauff

Redaktion: Martin Püschel
Fotos: Claudius Pflug
Fotos Nacht/Sonnenlicht: Ulf Büschleb