Plattenliebe auf der 1. Blick

Zu Besuch bei Eventmanager Steffen

Plattenliebe auf der 1. Blick

3 Zimmer, 66 m², Berlin-Mitte > P2 Typ RathausPassagen

„Die Aussicht…Alles andere war egal.“

Unter dem Fernsehturm, und dann links. Mit ein wenig Hartnäckigkeit und Charme kam Steffen Hauff nach einem Aufenthalt im spanischen Valencia zu seiner Wohnung im Zentrum Berlins: Ein halbes Jahr rief er jeden Tag bei der Wohnungsverwaltung an und fragte, ob in den RathausPassagen, einem Gebäude von Heinz Graffunder, eine Wohnung frei wäre.

Ein tägliches „Nein“ schreckte ihn nicht ab, bis der Tag kam, an dem sein eigenes Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung teilte die Verwalterin mit, Steffen könne sich eine freie Wohnung anschauen.

Hinter der Tür befanden sich drei Zimmer des ehemaligen Erstmieters: 30 Jahre alter Fußboden, alles alt und verwohnt. Doch dann diese Aussicht. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Der monolithische Wohn- und Geschäftskomplex mit seiner charakteristischen Facetten-Fassade ist für Steffen Hauff der ideale Ort zum Wohnen: „Der Alex ist der mobilste, lebendigste Ort der Stadt“, sagt er. Auch das Gebäude selbst findet Steffen außergewöhnlich, grinsend fügt er hinzu, dass das Haus für ihn „eine gewollt provokante Hässlichkeit“ sei.

Wie lebt es sich in einer solchen Provokation? Ganz anders als die meisten Passanten entlang des Fernsehturms es wohl vermuten würden: Der Eventmanager hat sich die Flexibilität der 60er-Jahre-Platte zu Nutze gemacht und seine Wohnung seinen Bedürfnissen angepasst. Mit jeder Menge kreativem Input.

Dieser Input setzte einiges voraus: Den Wänden zwischen Küche, Flur und Wohnzimmer wurde mittels Abbruchhammer zu Leibe gerückt. Die diversen Tapeten des Vormieters mussten mit dem Spachtel vorlieb nehmen, die Wände wurden anschließend verspachtelt, geschliffen und mit frischer Farbe versehen. Von den maßgeschneiderten Möbeln und Einbauelementen ganz zu schweigen. Zu guter Letzt bekam die Wohnung einen neuen Laminat-Fußboden.

Wohnzimmer

Das Leitthema eines jeden Raumes der Wohnung war ein Mix aus Natur und Moderne. Ebenso sollte jedes Zimmer einen Hingucker erhalten. Der Wohnbereich erhielt eine vorspringende Wand mit Natursteinplatten aus Schiefer. Dahinter verbergen sich die Kabel für Fernseher und Co. Gleichzeitig ergeben die seitlichen Enden des Vorsprungs eine Ablagefläche für CDs und Bücher.

Küche

Die offene Küche macht den Raum besser erlebbar, der Blick auf den Turm des Roten Rathauses bleibt unverstellt. Eine Abkofferung entlang der tragenden Wand nimmt die Versorgungsleitungen für den neu entstandenen Küchenblock auf. Gleichzeitig ergeben hier Einschnitte und Vertiefungen beleuchtete Regalflächen für Praktisches und Geliebtes. 

Der anstelle der ursprünglichen Durchreiche entstandene Küchenblock in Form einer Kochinsel bietet genug Platz für Herd, Spülbecken, Arbeitsbereich und Stauraum in Form von Unterschränken. Über dem Herd wurde eine hängende Abzugshaube installiert – die Tragkonstruktion an der Decke kann mit LEDs beleuchtetet werden und bietet damit am Abend einen Hingucker. 

Und worauf ist der Hausherr besonders stolz? „Auf den Küchenblock“, sagt Steffen Hauff, und dass alles aufwendig selbst gebaut wurde. Auffällig sind auch die Arbeits- und Tischplatte sowie die Fensterbänke. Diese bestehen aus gut 100 Jahre alten Waggonbohlen, die Steffen bei einem Tischler in Brandenburg entdeckte. Daraus entstanden schließlich markante Unikate für das Apartment hinter dem Roten Rathaus.

Lange wird er daran keine Freude haben – denn der nächste Umzug steht schon ins Haus, inkl. eines umfangreichen Umbaus. Die neue Wohnung liegt nur drei Stockwerke höher, hat ein Zimmer mehr. „Ein bisschen mehr Freiheit“ meint Steffen. Und die nächste Großbaustelle, auf die wir schon gespannt sein können.

Einige von Steffen’s Nachbarn zeigen ebenfalls ihr Zuhause in den RathausPassagen: 
Zu Besuch bei Monika & Uwe Köhler & Ulf

Redaktion: Martin Püschel 
Fotos: Claudius Pflug