Viel Raum für grenzenlose Kreativität

Plattenbau-Interior: Zu Besuch bei Designer Patrick

Viel Raum für grenzenlose Kreativität

4 Zimmer Maisonette, 78 m², Berlin-Mitte > Sonderkonstruktion

Patrick Gabbert ist nicht nur ein kreativer Mensch, sondern auch ein „echter“ Berliner. Nach einem Zwischenstopp in Dresden kehrte er 2004 in die Hauptstadt zurück.

Im Jahre 2006 zog es Patrick schließlich in den großen Plattenbau am Alexanderplatz, der noch heute sein Zuhause ist. Das strenge Raster des Hauses und der morbide Charme waren es, die den Designer überzeugten. Den Grundriss der Wohnung kannte er bereits von Freunden, die ebenfalls im Haus wohnten. 

Die gesamte Maisonette-Wohnung, die Patrick anfangs als WG nutzte, war unrenoviert. Deren vier Räume auf zwei Etagen waren und seien ein „ongoing process“, bei der Renovierung wurde sich Zimmer für Zimmer vorgenommen - bis der heutige Stand erreicht war.

Gemeinsam mit Jasmin Liebetrau (sie wohnt gleich drei Türen weiter) betreibt er das Designbüro Muskat18, ebenfalls zu Hause in der Platte am Alex. Das Repertoire reicht von der Einrichtungsberatung bis zum Möbeldesign. 

Einige ausgewählte Stücke von muskat18 finden sich auch in Patricks Wohnung, zum Beispiel fallen gleich am Eingang die hölzernen Kleiderbügel auf, die Berliner Stadtpanoramen zeigen. Die Bügel unter dem Namen Cityorama sind inzwischen auch im Einzelhandel erhältlich.

Küche

Patricks Küche ist kommunikativer Treffpunkt. Über dem Tisch hängt Liotards Schokoladenmädchen als Print, der Blick aus dem Fenster zeigt ein großzügiges Panorama: Links und recht erheben sich die Bauten des Alexanderplatzes und des Fernsehturms, die Achse bis zur Karl-Marx-Allee präsentiert sich als schnurgerade Großstadtmagistrale im morgendlichen Sonnenschein. Vor allem Patricks Gäste aus anderen Metropolen sind beeindruckt von der Weite und vom achsialen Blick bis zum Strausberger Platz.

Die Küchenzeile ist aus den benötigten Elektrogeräten geschaffen worden, aus welcher sechs zu schweben scheinende Schubladen hervorstechen. Dieser Küchenblock ist self-made, genauer gesagt handelt es sich um die Masterarbeit im Rahmen von Patricks Designstudium. Ziel war es, eine barrierearme Küche zu schaffen. 

Ob die Brotmaschine aus den 1980er Jahren, die Gewürzschübe aus der Jahrhundertwende oder Behälter im zeitgenössischen Design: In dieser Küche gibt es viele schöne Details zu entdecken, die nicht einfach einem Katalog entnommen wurden, sondern jedes für sich eine Geschichte erzählt.

Wohnzimmer

Generell besticht die Wohnung durch Ihre Kontraste und das gleichzeitige Zusammenspiel von Altem und Neuen. Neben den Möbeln mit Patina vom Flohmarkt gesellen sich selbstgebaute und hochwertige Designerstücke: Vom Bilderrahmen „Hans & Franz“ (halten zusammen wie echte Freunde!) bis zum Hocker  „ITO“ aus Fäden in leuchtendem Neon lebt der Designer mit ausgewählten Stücken seines Labels muskat18.

Dass alles wohl durchdacht ist, sieht man zum Beispiel beim Blick Richtung Treppe. So passt das Bild mit dem windgepeitschten Gras in neongrün passt farblich zum Hocker. Ausgesuchte Zeichnungen, Drucke oder auch Liebhaberstücke wie der Teller mit blauer Bambi-Bemalung sind sparsam in kleinen Gruppen an den Wänden drapiert.

Schlafzimmer I

Im Schlafzimmer stechen sofort die Wände hervor: Während im Obergeschoss sich roher Beton und Tapeten abwechseln, wurde hier mit der Oberfläche experimentiert. Nach dem Entfernen der Tapeten konnten die Wände mittels Farbpigmenten, Schellack und anderen geheimen Zutaten in eine Art Verwitterungszustand versetzt werden. Die warmen Grün- und Ockertöne bilden einen warmen und fast samtigen Kontrast zum harten Untergrundmaterial.

Der eklektizistische wie harmonische Stilmix setzt sich auch im unteren Teil der Wohnung fort: Hier findet man neben einem DDR-Sideboard umgebaute Ikea-Möbel und Eigenkreationen wie die Tischleuchte ERNST oder das Regal KOYA.

Das Haus mit der harten Schale besitzt einen weichen und umso überraschenderen Kern. Die Wohnung von Patrick Gabbert zeigt einmal mehr, wie individuell man mit dem genormten System Plattenbau umgehen kann.

Redaktion: Martin Püschel
Fotos: Claudius Pflug