3 Zimmer mit Balkon, 57 qm, Linienstraße, Berlin-Mitte > P2/6 Typ Magdeburg

"Rettet die Platte!"

Arne Eberle ist Inhaber einer Presseagentur und Herausgeber des Modemagazins Œ, welches er zusammen mit Freunden gegründet hat. Trotz vieler Jahre in Berliner Altbauwohnungen war er dennoch schon immer von der Platte und ihren Betonwänden angetan und ihm war klar, dass er irgendwann selbst in eine Plattenbauwohnung ziehen wird.

Auf dem Weg zur Arbeit fuhr er oft an seinem jetzigen Haus in der Linienstraße vorbei und als er dann erfuhr, dass dort eine Wohnung frei wird, war ihm sofort klar: "Hier will ich hin!".  

In der Platte sieht Arne viele Vorteile: Praktische Schnitte mit wenig Quadratmeterverlust, Sauberkeit und ständiger Sonneneinfall. Durch seine Liebe zur Platte wurde Arne zum entschiedenen Sanierungsgegner und macht sich für ihren ursprünglichen Erhalt stark.

Während der Sanierungsmaßnahmen, die in und an seinem Haus durchgeführt wurden, hat Arne mit einem "Rettet-die-Platte" – Banner von seinem Balkon aus ein Zeichen gegen die gesichtslose Modernisierung demonstriert.

Arne, warum gerade Platte?

Ich hatte schon immer den Wunsch, in die Platte zu ziehen. Nach Jahren im Altbau hatte ich einfach Lust auf diese Klarheit und "Sauberkeit".

Ein Erlebnis mit dem Altbau war zum Beispiel, das ich unter der Scheuerleiste einen Reichspfennig gefunden habe und unter der Schwelle zu meinem Zimmer befand sich Dreck von circa 100 Jahren.

Daraufhin wollte ich etwas "Cleanes" haben und vor allem hatte ich Lust auf die Betonwände. Das Haus, in dem ich nun seit 2007 wohne, kenne ich schon seit vielen Jahren. Jedes Mal wenn ich mit dem Fahrrad an dem Haus vorbei gefahren bin, sind mir die bunt bepflanzten Balkone am meisten ins Auge gefallen. 

Was begeistert dich zudem an der Platte?

Die Schnitte sind außerordentlich praktisch und da die Balkone stets eine Ausrichtung zur Südseite haben, sind die Wohnungen bei Sonnenschein immer lichtdurchflutet.

In Altbauwohnungen sind die langen Flure oftmals Grund dafür, dass Quadratmeter verloren gehen. Im Plattenbau hingegen wird die Wohnflächen optimal genutzt, was für ein stimmiges und durchdachtes Raumgefühl sorgt.

Wie hast du Deine Wohnung gefunden?

Ich musste nicht lange suchen, auch aus dem Grund, da ich meinen Suchradius sehr stark auf ein paar Straßen und Häuser in Mitte beschränkt habe. Über die WBM konnte ich an einem Tag drei Wohnungen besichtigen, mitunter diese hier. Die habe ich dann auch sofort genommen.  

Wie ist deine Platte aufgeteilt?

Die Wohnung hat 57 qm, aufgeteilt in zwei kleinere Schlafzimmer und ein Wohnzimmer mit einem nach Süden ausgerichteten Balkon. Mein kleines 8-qm-Zimmer gefällt mir jedoch am besten. Hier habe ich an allen Wänden und der Decke die Raufasertapete runtergeholt. An einer Wand klebt ein kleiner Rest alter Tapete, wahrscheinlich noch vom Erstbezug, und als einziger Raum liegt hier noch der Original DDR-"Spannteppich".

Gibt es Gegenstände in deiner Wohnung, die dir besonders am Herzen liegen?

Ich trenne mich eigentlich gerne von Dingen, da sie mir auf Dauer einfach zu langweilig werden. Zurzeit lasse ich mir einen Kleiderschrank aus Massivholz bauen, der mich wohl als einziges Möbelstück für lange Zeit begleiten wird. Eine weitere Besonderheit ist die für den Plattenbau typische Durchreiche von der Küche in das Wohnzimmer.

Wie war es, als Du das erste Mal in die Wohnung gekommen bist?

Ich wusste ja schon von Anfang an, dass ich unbedingt in dieses Haus ziehen will. Bei der Besichtigung sah es hier allerdings furchtbar aus; überall lag Spannteppich, der komplett zerrissen war, Raufaser an allen Wänden und die Küche war von Mehlfliegen heimgesucht. Das hat aber nichts an der Tatsache geändert, dass ich mich sofort in die Wohnung verliebt habe. Bei meinem Einzug habe ich alle Tapeten runtergeholt, die Böden freigelegt und den Estrich lasiert. Im Badezimmer liegt Terazzo, was ich ganz toll finde.

Zum Glück konnte ich bei der Sanierung verhindern, dass dieser mit geschmacklosen Fliesen überdeckt wurde – wie das jetzt in allen anderen Wohnungen in meinem Block der Fall ist! Ansonsten habe ich bewusst wenig renoviert, damit der Charme der Platte nicht verloren geht.

Warum ist dir der Erhalt der Platte so wichtig?

Unsanierte Originalplatten haben ein ganz besonderes Flair. Leider werden die alten Häuser durch die Sanierung oftmals total entfremdet. Um den Charme zu erhalten und den gesichtslosen Fassaden entgegenzuwirken, sollte man mal anfangen Platten unter Denkmalschutz zu stellen, bevor alles verloren gegangen ist.

Als die Sanierung unseres Hauses anstand war ich entsetzt und habe ein "Rettet die Platte" –  Banner an meinem Balkon aufgehängt. Die Sanierung konnte ich damit natürlich nicht stoppen, doch immerhin darauf aufmerksam machen, dass nicht jeder die glattverputzten, gesichtlos sanierten Platten gut findet, was den dafür Verantwortlichen sicher nicht bewusst ist.

Was sagen andere Leute, die zu dir in die Wohnung kommen?

Stylisch, oder: Warum hast Du denn keine Tapete an den Wänden, haha!

 

Koordinierung: Rahel Morgen
Fotos: Mirjam Wählen
Film: Directed by Jessica-Joyce Sidon / Kamera + Schnitt Annikki Heinemann/Anna Piltz www.oddiseefilms.com