3 Zimmer mit Loggia, 58 qm, Auguststraße Berlin-Mitte > Sondertyp WBS 70-BR88

Zusammenleben auf 58 qm

Judith und Julia bewohnen gemeinsam eine 3-Zimmer-Wohnung in der Auguststraße in Berlin-Mitte. Obwohl beide Frauen in der Medienbranche tätig sind, haben sie sich eher zufällig kennengelernt und auch die Entscheidung, in eine Platte zu ziehen, war dem Zufall zu verdanken.

Allen Vorurteilen zum Trotz haben beide großen Gefallen am Leben im Plattenbau gefunden und schätzen den Minimalismus, den Räume mit freigelegten Betonwänden mit sich bringen. An einem schönen Spätsommertag treffen wir Judith und Julia zum Interview und genießen die Sonne in ihrer lichtdurchfluteten Loggia.

Wie kam es dazu, dass Ihr zusammen gezogen seid?

Julia: Ich habe schon vorher in der Platte gewohnt. Nachdem meine damalige Mitbewohnerin ausgezogen ist, habe ich Ersatz gesucht. Über einen gemeinsamen Freund lernte ich Judith kennen, wir waren uns von Anfang an sympathisch und sind dann das Risiko eingegangen und einfach zusammengezogen.

Judith: Ich wollte eigentlich nie in eine Platte und auch nicht nach Mitte. Als ich mir die Wohnung dann angeschaut habe, hat sich das schlagartig geändert. Ich fand die Wohnung und Julia toll und bin dann umgehend eingezogen.

Gab es bei euch denn irgendwelche Vorurteile oder besondere Beziehungen zur Platte?

Julia: Die Vorurteile gab es natürlich: klein, eng, hellhörig, dunkel... Wenn man allgemein das Wort "Platte" hört, denkt man zunächst an etwas Ungemütliches. Die Wahrheit sieht aber anders aus. Bei uns ist es hell und die Räume sind überhaupt nicht klein, sondern meiner Meinung nach ziemlich großzügig. Hellhörig sind die Wohnungen teilweise, aber es ist nur halb so schlimm wie man denkt.

Judith: Als gebürtige Ost-Berlinerin habe ich die ersten Jahre meines Lebens in einem Plattenbau verbracht. Daher bin ich mit der Platte einigermaßen vertraut, trotzdem war meine Vorstellung eine andere, als ich nach langen Jahren im Ausland wieder in eine solche zurückgekehrt bin. Ich suchte eigentlich eine typische Berliner Altbauwohnung mit Dielen, hohen Decken und so weiter.  Aber als ich dann gesehen hab, wie eine Platte mit dem freigelegten Beton aussehen kann, konnte ich meine Bedenken sofort über Bord werfen und bin hier eingezogen.

Wie würdet ihr Euern Einrichtungsstil am besten beschreiben?

Julia: Die Wohnung ist relativ puristisch eingerichtet, es steht nicht viel Schnick-Schnack herum, da man sich meiner Meinung nach auf die wesentlichen Dinge konzentrieren sollte. Diese Sachen sollten dann allerdings schön sein und über ein außergewöhnliches Design verfügen.

Judith: Viele unserer Möbel haben auch eine eigene Geschichte. Der Tisch stammt beispielsweise von Julias Ur-Oma und das Sideboard haben wir auf eBay gesucht, gefunden und aus Oldenburg abgeholt.

Julia: Als ich hier eingezogen bin, habe ich mir eine Orchidee gekauft und sie in einen Topf gepflanzt – komischerweise blüht sie seitdem jeden Frühling, mittlerweile schon seit drei Jahren. Offensichtlich scheint es ihr in der Platte auch sehr gut zu gefallen.

Welche Tipps kann man zukünftigen Plattenbewohnern geben?

Julia: An einer Plattenbauwohnung sollte man nutzen, dass der wunderschöne Rohbeton die Wände ziert, daher sollten die Betonwände meiner Meinung nach unbedingt freigelegt werden. Das gibt der Platte den Charme, den sie an sich hat.

Judith: Es gibt tolle Möglichkeiten einer maximalen Raumnutzung wenn man bedenkt, dass eigentlich nicht viel Stauraum vorhanden ist. Das Wohnen in der Platte macht irgendwie erfinderisch. Ich habe in meinem Zimmer zum Beispiel eine Kleiderstange selber gebaut. Dafür habe ich eine Gardinenstange mit Drahtseilen an der Decke befestigt und habe so ein Unikat für wenig Geld kreiert.

Wie war es für dich, Julia, als du das erste Mal in die Wohnung gekommen bist?

Julia: Schon beim ersten Mal war ich von der Raumaufteilung positiv überrascht, auch wenn mir die Wohnungsgestaltung der Vormieter überhaupt nicht gefallen hat. Bunte Tapeten überall, das Schlafzimmer war in Pfirsichfarbe gehalten. Aber trotzdem sind in mir sofort die Ideen gesprossen und ich wusste gleich, dass man aus der Wohnung was Großartiges machen kann.

Wie war es bei dir Judith?

Judith: Julia hatte an der Wohnung ja schon einiges gemacht, somit war sie von vornherein total schön. Ich war überrascht, wie hell die Platte ist und war von dem großen Wohnzimmer total angetan. Ganz zu schweigen von dem Blick, der ist fantastisch! Ich mag es, dass man auf beiden Seiten der Wohnung auf andere Platten schaut, das ist irgendwie charmant. Vorne aus dem Küchenfenster blicken wir auf den Fernsehtum, das ist wunderschön.

Wie viel Zeit verbringt ihr zu Hause und was macht ihr dort am liebsten?

Judith: Wir sind beide relativ viel unterwegs, trotzdem bin ich unheimlich gerne zuhause und genieße die Zeit hier. Ich koche viel, sitze im Sommer in der Loggia, trinke dort meinen Kaffee und genieße die Sonne.

Es gibt ja das Klischee von der er anonymen Platte. Wie sind eure Erfahrungen?

Julia: Das trifft in unserer Platte überhaupt nicht zu. Ich kenne so ziemlich jeden Mieter im Haus und wir helfen uns auch ab und zu gegenseitig mit Kleinigkeiten aus. Frau Herzog aus dem ersten Stock zum Beispiel nimmt ständig unsere Pakete entgegen. Wir fühlen uns einfach rundum wohl.

Koordinierung: Rahel Morgen
Fotos: Mirjam Wählen
Film: Directed by Jessica-Joyce Sidon / Kamera + Schnitt Annikki Heinemann/Anna Piltz www.oddiseefilms.com