4 Zimmer mit Balkon, 78 qm, Platz der Vereinten Nationen, Berlin Friedrichshain > P2/11

"Der Liebe und der schönen Aussicht wegen"

Beeindruckt von Berlin und den vielen Möglichkeiten, welche die Stadt zu bieten hat, sind Nadja Müller und Robert Anders Ende der 90er Jahre – damals noch nicht zusammen lebend – in die Stadt gezogen. Da beide gleichermaßen vom Plattenbau beeindruckt waren, mieteten sie 2009 ihre erste gemeinsame Wohnung im 11. Stock am Patz der Vereinten Nationen, in der sogenannten Schlange, erdacht von den damaligen DDR-Stararchitekten Hermann Henselmann und Wildfried Stallknecht. Die Architektin und der Bildende Künstler haben den Grundriss optimiert, indem Küche und Wohnzimmer zusammengelegt wurden. So genießen beide einen fantastischen Blick über die weiteren Wahrzeichen des ehemaligen Leninplatzes, dem gegenüber liegenden ”Bumerang“ und dem 24-stöckigen Hochhaus bis hin zum Volkspark Friedrichshain.  

Nadja, was machst du beruflich und wie bist du damals nach Berlin gekommen?

Ich habe Innenarchitektur studiert und  irgendwann gemerkt, dass mich Architektur eigentlich viel mehr interessiert, da man Räume schaffen kann und sich nicht nur in einem begrenzten Rahmen mit Oberflächen und Design beschäftigt. So arbeite ich nun als Architektin; zurzeit an einem Baugruppenprojekt in Berlin, das heißt, ich beschäftige mich viel mit Wohnungsbau.

Nach Berlin gekommen bin ich 1997, zu einer Zeit, in der in dieser Stadt noch viel möglich war. Obwohl meine erste Wohnung eine dieser klassischen Berliner Altbauwohnungen war, hat es mich immer zu den Plattenbauten hingezogen und so bin ich oft durch Mitte spaziert, um mir die Plattenhochhäuser zum Beispiel in der Leipziger Straße anzuschauen. 

Zunächst wusste ich nur, dass es sich bei diesen Wohnungen um Eigentum handelte, was sich aber als Fehlinformation herausstellte. Sodann bin ich im Jahr 2000 in meine erste Platte im 22. Stock eingezogen. Mir wurde das erste Mal richtig bewusst, wie sehr mir das Leben im Hochhaus gefällt. Trotz der geringen Raumhöhe von 2,50 m hat man das Gefühl von grenzenloser Weite, sobald man aus dem Fenster schaut oder auf dem Balkon steht.

Robert, stammst du ursprünglich aus Berlin?

Nein, ich komme ursprünglich aus Braunschweig. Da ich als bildender Künstler und Musiker arbeite, war Berlin von jeher ein Magnet, vor allem weil es hier so viele Konzerte gab. Zudem gab es Mitte der 1990er Jahre auch diese besonderen Veranstaltungsorte, wie zum Beispiel ein besetztes Hinterhaus in der Dunckerstraße in dem man u.a. viele Musiker treffen konnte.

Was führte dazu, dass Ihr im Haus am Platz der Vereinten Nationen gelandet seid?

Nadja: Der Platz der Vereinten Nationen war für mich schon immer interessant, weil es ein schönes städtebauliches Ensemble ist, das von Henselmann geplant wurde und somit eine gewisse städtebauliche Qualität aufweist. Nachdem Robert und ich beschlossen haben zusammenzuziehen, suchten wir einen Ort, der für uns beide strategisch sinnvoll in Bezug auf unseren Wirkungsradius in der Stadt gelegen ist.

Robert: Die Hauptkriterien bei einer Wohnungssuche waren mit dieser Wohnung erfüllt: Lage in der Stadt, Größe, Preis und der Ausblick. Ein großer Vorteil des Grundrisses sind die offenen Küchen in Verbindung mit dem Ess- und Wohnbereich. Das ist in Altbauten selten zu finden. Aber eigentlich war es Nadjas Entscheidung, ich bin also der Liebe und der schönen Aussicht wegen in diese Platte gezogen.

Was habt Ihr beim Einzug an der Wohnung verändert?

Nadja: Eigentlich alles! Die gesamte Wohnung war tapeziert und mit Latexfarbe gestrichen. Wir haben die Tapeten und den Fußbodenbelag entfernt und eine komplette Renovierung vorgenommen. Viele weitere Maßnahmen haben sich erst während der Renovierungsphase ergeben. Die größte Veränderung kam jedoch durch den Fußboden, mit dem wir uns viel Mühe gegeben haben. Zuerst wurden Laminat, Fliesen und der alte PVC-Boden entfernt, der darunter vorhandene Estrich geschliffen, gespachtelt und dann farblos lackiert.

Robert: Wir haben auch ein Teilstück der Wand herausgenommen und somit Wohnraum und Küche zusammengelegt. Die Wohnung hat trotz ihrer geringen Raumhöhe sehr stark an Großzügigkeit gewonnen. In meinem Schlafzimmer habe ich die Betonwände freigelegt, aber an einer Wand eine Tapete mit Waldmotiv angebracht. Ich schlafe unter Bäumen. Diese Foto-Tapete ist in erster Linie ein Gestaltungselement und steht im  Pendant zu der gegenüber liegenden nicht behandelten Betonwand und dem Ausblick in Richtung Alexanderplatz mit Plattenbauten und Fernsehturm. Vermutlich wurde die Idee auch durch die schon beim Einzug vorhandene weiße Klinkerstein-Prägetapete im jetzigen Arbeitsraum inspiriert. Hier befindet sich an einer Wandfläche im Übrigen der einzige Überbleibsel unserer Vormieter in Form dieser sogenannten Prägetapete.

Woher stammt Eure Einrichtung?

Nadja: Einige Möbel habe ich von meinen Bauprojekten mitgebracht, wie zum Beispiel die Stühle und der Schrank, welche aus einem Projekt aus der Humboldt Uni stammen. Das sind Möbel, die niemand mehr haben wollte und die auf dem Sperrmüll gelandet wären – auch im Sinne von Recycling und Einsparung von Ressourcen finde ich es super, diese wieder zu verwenden. In einem anderen Kontext und neuen Kombinationen sehen die auch völlig anders aus. 

Habt Ihr Möbel selbst entworfen und gebaut?

Robert: Ja, zum Beispiel unsere Kücheninsel! Das war sehr aufwändig, deckt aber viele Funktionen ab. Die Hausbar, der Kühlschrank und verschiedene Fächer für Küchenutensilien sind in der Insel untergebracht.

Nadja, hast Du ein Lieblingszimmer?

Mein Schlafzimmer: Da ich fast alles am liebsten im Liegen mache, habe ich mein Bett so gebaut, dass ich, wenn ich im Bett liege oder sitze, eine sehr schöne Aussicht habe. Es ist auf dieser Seite des Hauses sehr ruhig und man kann den Sonnenuntergang beobachten.

Robert, was gefällt Dir an Eurer Wohnung am besten?

Genial ist die panoramaartige Aussicht im Wohnraum. Soviel Himmel zu sehen erscheint in der Stadt luxuriös. Das Schönste für mich ist, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme und mich der Lichteinfall begrüßt. Die Wohnung ist aufgrund der Lage im 11. Stock einfach sehr hell und profitiert vom Lichteinfall aus beiden Himmelsrichtungen (Ost und West). Wenn man hier wohnt, muss man eigentlich nicht in eine Ausstellung oder ins Kino gehen, viel besser als den Himmel zu betrachten, kann es eigentlich nicht werden.

Koordinierung: Rahel Morgen
Fotos: Mirjam Wählen
Film: Directed by Jessica-Joyce Sidon / Kamera + Schnitt Maren Sextro