4 Zimmer, 79 qm, Hackescher Markt, Berlin-Mitte > Sondertyp WHH GT "Windmühle"

„Zuhause in die Ferne blicken“

Professor Martin Danamos ist ein international anerkannter Bewegungstheoretiker und Ballettmeister, der nach Stationen in Moskau und Essen nach Berlin zurückkehrte, um sich dem Schreiben eines Buches zu widmen.

Mit seiner innovativen Danamos-Theorie, die den menschlichen Körper und das motorische System komplett neu strukturiert und konzeptionalisiert, hat er ein weltweit neuartiges Konzept der Bewegungslehre geschaffen.

Auch mit seiner Eigentumswohnung in der Nähe des Hackeschen Markts hat Martin Danamos durch eine außergewöhnlich wie einzigartige Sanierung ein neues Wohnkonzept geschaffen.

Fasziniert betreten wir seine 4-Zimmerwohnung im 24. Stock, denn dank des klaren Himmels haben wir eine Sicht bis hin zum Teufelsberg und Potsdam. Doch nicht nur die Aussicht begeistert, auch die lichtschaffenden Durchbrüche in seinen Betonwänden ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich.

Herr Danamos, wie lange wohnen Sie bereits am Hackeschen Markt?

Ich habe bereits während meines Studiums und meiner Zeit als Tänzer an der Deutschen Staatsoper in einer typischen Berliner Altbauwohnung am Hackeschen Markt gewohnt. Nach meinen langen Aufenthalten in Moskau und Essen zog es mich zurück nach Berlin und in das kulturelle, quirlige Zentrum in Berlin-Mitte. &nb

Wie sind Sie von einer Altbauwohnung auf eine Platte gekommen?

Es stand eigentlich nie zur Debatte, dass ich jemals eine Plattenbauwohnung kaufen werde, da ich in immer eine typische Alt-Berliner Wohnung mit Stuck vor Augen hatte. Eine Freundin hat mir dann erzählt, dass in diesem Haus Wohnungen zum Verkauf stehen und trotz meiner Widerreden hat sie es irgendwann geschafft, mich in den Fahrstuhl zu bekommen und mit mir auf den Balkon der Nottreppe im obersten Stock zu gehen. Als ich von dort oben über Berlin geblickt habe, gab es nicht mehr viel zu überlegen und mein Entschluss, in diesem Haus eine Wohnung zu kaufen, stand sofort fest. Nachdem ich dann mit der WBM gesprochen habe, hatte ich zudem noch das Glück, diese Wohnung im 24. Stock zu bekommen und konnte sie ganz nach meinen Vorstellungen umgestalten.

In welchem Zustand befand sich denn die Wohnung, als Sie sie gekauft haben?

Der Zustand der Wohnung, betrachtet von dem heutigen Gesichtspunkt der Ästhetik, war befremdend. Damals, als die Wohnungen gebaut wurden, war es für die Bewohner sicherlich ein Fortschritt, da alle Vorzüglichkeiten von angenehmen Wohnen vorhanden waren: Bad, fließend Wasser, Fernheizung. Aber ich habe in der Wohnung nur die verwinkelten Ecken, den dunklen Flur und das winzige Bad gesehen.

Was haben Sie alles an der Wohnung verändert, bis sie den heutigen Zustand erreicht hat?

Ich habe sehr viel renoviert! Mit Hilfe des begabten Architekten Lennart Wiechell haben wir den ganzen Rohschnitt umgestaltet und eine ganze Wand sowie das Bad rausgerissen. Mein Wunsch war es, ein offenes Bad zu gestalten, welches zum restlichen Wohnraum passt und in dem man beim Duschen bis hin zum Dom schauen kann. 

In der Küche haben wir die typische DDR-Durchreiche zum Essraum entfernt und eine offene Küche geschaffen. Das alles vor dem Hintergrund, dass es schade wäre, wenn man Berlin beim Kochen den Rücken zudrehen müsste, anstatt beim Arbeiten auf Berlin zu schauen! Das bot sich hier oben einfach an. 

Verbirgt sich hinter dem Umbau ein bestimmter Gedanke bzw. ein Konzept?

Die Idee war, in der Wohnung das Beengende zu verbannen. Mein Wunsch war es, dass man beim Betreten des Wohnraums im Prinzip "hinaustritt" – in den Himmel und in die Wolken. Wir wollten den Eindruck vermitteln, dass man zwar eine Wohnung betritt, dennoch in eine vollkommen neue Atmosphäre kommt. Das bietet sich einfach an, denn so hoch über Berlin spielen die Wolken, die Sonne und der Wetterumschwung eine völlig andere Rolle als unten auf der Strasse.

Die Kontraste, welche sich mir hier in der Wohnung zeigen, wollte ich erhalten und das war dann letztendlich auch der Grund, warum wir den Raum geöffnet haben, Wände herausgenommen und in die Wand zwischen Wohn- und Essraum Löcher eingearbeitet haben. Virtuell bewege ich mich also permanent außerhalb der Wohnung. 

Badezimmer

Wie kam es zu der außergewöhnlichen Gestaltung des Bades?

Da die typischen Bäder in Plattenbauwohnungen meist keine Fenster haben, wollte ich diesen Zustand verändern und so haben wir das Bad verglast, damit man aus der Dusche auf den Berliner Dom blicken kann.

Das Foto im Inneren des Bades zeigt die Dolomiten, die eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Ich stehe also beim Duschen in den Dolomiten und schaue auf den Berliner Dom. Das hat nicht jeder!

Was ist die Faszination von Beton?

Die Idee, den Beton sichtbar zu machen, war für mich zunächst ungewöhnlich. Bei Ziegelsteinen hätte ich das verstanden, da das eine schöne Struktur ergeben hätte, aber der Beton erschien mir zu langweilig.

Der Architekt argumentierte jedoch, dass Tapeten noch langweiliger seien und aus diesem Grund haben wir diese runtergerissen und ich habe die unheimlich interessante Strukturierung und Farbwelt von Beton entdeckt. Beim Fräsen der Löcher konnte ich dann das erste Mal das Material genau betrachten und war so überrascht, dass es nicht nur eine graue matschige Masse ist, sondern ein sehr lebendiges Material. 

Arbeitszimmer

Haben Sie ein Lieblingszimmer?

Am liebsten halte ich mich in meinem Arbeitszimmer an meinem antiken Schiffsschreibtisch auf. Umgeben von Biedermeier und Büchern, auch meinen eigenen, sowie vielen persönlichen Gegenständen wie Fotografien, Bildern und Skulpturen, fühle ich mich hier am wohlsten.

Was macht die Wohnung für Sie unbezahlbar?

Der schönste Moment ist nachts über den Hackeschen Markt nach Hause zu laufen. Vor allem im Sommer hat der Platz einen ganz bestimmten Flair, durch die Touristen und den Trubel fühlt es sich fast an wie im Ausland.

Und wenn ich dann in den 24. Stock hochfahre und das Panorama von dem beleuchteten Berlin vor mir habe, bin ich jedes Mal aufs Neue total von den Socken.

Das geht nicht nur mir so sondern auch Besuchern und Familie. Auch wenn ich morgens aufstehe, brauche ich ziemlich lange bevor mein Tagesablauf beginnt, weil ich erst einmal einige Zeit am Fenster stehen muss und den Ausblick genieße.

Was bedeutet es für Sie nach Hause zu kommen?

Ich bin, was das angeht, wahrscheinlich anders gestrickt als die meisten Leute. "My home is my castle" gilt bei mir nicht. Menschen und der Kontakt mit ihnen ist für mich viel wichtiger als ein materielles Zuhause. „Zuhause“ heißt für mich vielmehr, sich aufzuschließen für neue Kontakte, Ideen und Begegnungen auch auf Reisen. Ich hatte schon als Kind den Traum viel zu reisen, und Fernweh war für mich immer stärker als Heimweh. Die Funktion dieser Wohnung spielt daher eine sehr wichtige Rolle, denn wenn ich sie betrete und zuhause ankomme, habe ich den Blick nach draußen und eine unglaubliche Weite vor mir. Die weite Sicht und die Möglichkeit in die Ferne zu schauen, verbindet sich mit meinem Gefühl, zuhause zu sein.  

 

Koordinierung: Rahel Morgen
Fotos: Mirjam Wählen
Film: Directed by Jessica-Joyce Sidon / Kamera + Schnitt Marcus Werner Superiest.com