Mit allen Sinnen

Vegane Seifen im Nikolaiviertel

Mit allen Sinnen

Schon im Mittelalter ließen sich Handwerker und Kaufleute im Berliner Nikolaiviertel nieder. Nachdem das Areal im Zweiten Weltkrieg fast gänzlich zerstört wurde, erstand es 1987 anlässlich des 750. Geburtstags Berlins neu. Aber nur wenige Bauten wurden originalgetreu rekonstruiert. Bei dem größten Teil handelt es sich um postmoderne Interpretationen traditioneller Architektur, errichtet auf der Grundlage des Wohnungsbausystems 70.
 
Für Kritiker ist das Nikolaiviertel inszenierte Erinnerung, seine Bewohner hingegen freuen sich über den modernen Komfort hinter historisierenden Fassaden. Die Wohnungen sind hell und praktisch geschnitten, keine Spur von der mittelalterlichen Schummrigkeit, die die Umgebung einst prägte. Beim Wiederaufbau entfernte man sich von den dunklen Räumen und engen Hinterhöfen der originalen Strukturen, vergrößerte die Freiflächen und brachte mehr Licht und Luft ins Viertel und die Gebäude. Das gilt auch für die Ladenlokale. Oft verfügen sie über sprossenlose, bodentiefe Fenster, entsprechend hell ist ihr Inneres.

Eines dieser Geschäfte ist das brandenburgische Unternehmen Sauberkunst. Ganz in der Tradition des Nikolaiviertels vereint es Handel und Handwerk: Es stellt vegane Seifen und andere Pflegeprodukte ohne tierische Inhaltsstoffe her. Auch Palmöl ist tabu und die Verpackungen sind ebenfalls pflanzlich. Sie bestehen aus reiner Zellulose, dem sogenannten Zellglas.

Die Idee zum Unternehmen kam der Brandenburgerin Annett Förster, nachdem sie als Heilpraktikerin ihren Patienten selbst gefertigte, vegane Seifen und Hautpflegeprodukte anbot. Die Nachfrage war so groß, dass sie Herstellung und Verkauf zu ihrem Beruf machte. Heute hat Sauberkunst neben der Manufaktur in Groß Kreutz vier Läden, einen direkt am Produktionsort, drei weitere in Werder, Berlin und Potsdam.

SauberKunst
Am Nussbaum / Propststr. 1
10178 Berlin
www.sauberkunst.de


Öffnungszeiten
Montag -  Samstag von 11.00 - 18.00 Uhr
Telefonnummer: 030/28091530

Gebäude

In Berlin hat Sauberkunst das Ecklokal in dem Gebäude Ecke Spandauer Straße/Am Nussbaum bezogen. So strömt natürliches Licht von zwei Seiten durch die großen Fenster ins Innere. In dem von Tageslicht durchfluteten Geschäft kommen die Produkte besonders gut zur Geltung, künstliche Beleuchtung ist tagsüber kaum notwendig.

Verkaufsraum

Die Wände im Inneren sind weiß, hier und da blitzt das Grün des Sauberkunst-Logos auf, das sich auch vielen der Accessoires wiederfindet. Seifenschalen, Krüge und Handtücher präsentieren sich in sorgsam ausgewählten Möbeln – kein Shopsystem von der Stange, sondern alles Einzelstücke.

Passend zum Limonengrün des Logos strömt ein frischer, belebender Duft durch die Verkaufsräume. "Eine Mischung aus Zitrus, Patschuli und Lavendel", weiß Jacqueline. Ein spezielles Raumparfüm kommt dafür nicht zum Einsatz. "Das sind Düfte aus unseren Produkten, sie sind dominanter als andere Geruchsstoffe und treten deswegen hervor", erklärt sie und lacht: "Manche sagen, sie könnten den Laden schon riechen, wenn sie am Alexanderplatz aus der Bahn steigen." Das sei natürlich ein wenig übertrieben. Aber tatsächlich hätten Kunden schon erzählt, sie habe der Duft in den Laden gelockt, der bei geöffneter Tür auf die Straße strömt.

Nicht nur die veganen Inhaltsstoffe und ihre nachhaltige Herstellung machen die Seifen, Shampoos, Cremes und Deos besonders. Auch ihre farbenfrohe, kunstvolle Gestaltung fällt auf. "Viele Kunden denken spontan an Kuchen oder Eis", erzählt Jacqueline Kammer, Geschäftsleiterin der Berliner Filiale. Das liegt aber nicht nur am Äußeren der Produkte. Mango-Lassi-Peeling, Kokosmakronen-Deo oder Moccachino-Seife – bei so schmackhaften Inhaltsstoffen verwundert es nicht, dass es auch am Gaumen kitzelt.

Dass es die Sauberkunst-Filialen überhaupt gibt, ist ein Triumph der Wirklichkeit über das Virtuelle. Im Gegensatz zu vielen anderen Läden geschah der Verkauf zunächst im Netz und erst danach in realen Läden. Denn die Internet-Kunden wollten die Produkte vor dem Kauf ansehen und ausprobieren. Und tatsächlich ist der Besuch des Ladens eine besondere Erfahrung. Der anregende Geruch, der lichte Raum und die Vorfreude auf die pflegende Wirkung der Produkte, die bereits vor Ort getestet werden können: Man verlässt den Laden mit dem Gefühl, gerade frisch geduscht zu haben – ein sinnliches Erlebnis, das Online-Shopping so niemals bieten kann.