Plattenbau zwischen Körnung und Pixel

Zu Besuch bei FOTOIMPEX

Plattenbau zwischen Körnung und Pixel

Wenn alles digital wird, bekommt analoge Technik einen ganz neuen Reiz, nicht nur im Plattenregal, sondern auch in der Fotografie. Marc Stache, Diplom-Fotodesigner und Shopmanager bei Fotoimpex, einem gut sortieren Fachgeschäft für analoge Fotografie in der Alten Schönhauser Straße 32, weiß alles über den Unterschied zwischen Körnung und Pixel. „Ein analoger Schwarzweiß-Abzug hat eine ganz andere Wertigkeit“, fasst er zusammen, „auch für Sammler.“

Fotoimpex wurde 1992 gegründet, um ein umfangreiches Sortiment für Fotokünstler anzubieten. Da die Materialen für analoge Fotografie kaum noch produziert werden, stellt Geschäftsführer Mirko Böddecker sie seit über zehn Jahren selbst her: Filme, Papiere, Chemie, Technik.

Zuerst kaufte er die Marke Adox, als die älteste filmchemische Fabrik der Welt aufgeben musste. Dann Produktionsmittel aus dem Agfa-Insolvenzverkauf und diversen anderen Insolvenzen. Im Adox-Werk in Bad Saarow, rund 70 Kilometer südöstlich von Berlin, wird rund ein Drittel des Sortiments hergestellt, das Fotoimpex im Laden in Berlin-Mitte anbietet. Seit über 20 Jahren betreibt Fotoimpex auch ein eigenes Fachlabor, das analoge Schwarzweißfotos entwickelt.

FOTOIMPEX
Alles für die analoge Fotografie
Alte Schönhauser Straße 32b
10119 Berlin 

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag 12.00 – 20.00 Uhr

Telefon: 033631/64590
E-Mail: info@  avoid-unrequested-mailsfotoimpex.de

www.fotoimpex.de

Als Spezialgeschäft für analoge Fotografie ist Fotoimpex eigentlich ein Ort der Entschleunigung, der vordigitalen Zeit. Direkt vor der Haustür, auf der Alten Schönhauser Straße, jagen Touristen durch die Boutiquen, Cafés und Restaurants. Englisch überwiegt, alles ist „awesome“. Das Dreieck aus Rosenthaler/Mulackstraße/Alte Schoenhauser gilt in Berlinguides als eines der trendigsten Modezentren der Welt. Die Fashionistas schauen auch bei Fotoimpex rein. „Wow, Ona bags from New York!“, begeistert sich einer der Kunden. Fototaschen sind Fotoimpex’ Zugeständnis an die Laufkundschaft, erklärt Marc Stache, Shopmanager bei Fotoimpex. Es ist eine sehr angesagte, modische Gegend, sagt er: „Eine Gegend mit viel Ost-Charme. Viel charmanter als der Ku'damm zum Beispiel. Und die Plattenbauten in der Straße gehören dazu.“

Fotoimpex ist schon 1999 von der Rheinhardstraße in Berlin-Mitte in die Platte Alte Schönhauser 32 umgezogen. 2009 wurde der Laden umgebaut und renoviert. Er wurde verkleinert, das Warenlager und der Versand wurden nach Bad Saarow ausgelagert. Durchgänge wurden zugemauert, neue Wände hochgezogen. Auch die Fassade wurde erneuert. Die Gitter vor den Fenstern wurden entfernt und die Fenster vergrößert. „Jetzt wirkt der Laden offener“, sagt Stache, „cleaner.“ In den Räumen dominieren Schwarz, Weiß und Holz: weiße Wände und Decken, schwarze Fensterrahmen und Regale, eine Holzleiste für die Leuchten an der Decke und ein mit Holz verkleideter Verkaufstresen. Gut ausgeleuchtet wird alles von Industrielampen aus Metall. Auch der Boden trägt zum cleanen Ambiente bei: auf dem Betonuntergrund wurde eine graue Spezialbeschichtung aus Beton und Farbe aufgetragen. Nur an der Decke hinter dem Tresen zeigt sich Beton von seiner rohen, ungeschliffenen Seite: weiß gestrichen, stark strukturiert, funktionaler Industrieschick.

Die Hauptkunden sind Fotokünstler, Fotografie-Studenten und Hobbyfotografen. Der Laden entwickelt sich zurzeit recht positiv, erzählt Stache, die Verkäufe steigen. „Das Fotoimpex Ladengeschäft ist außerhalb des Internets eines der wenigen auf analoge Fotografie spezialisierten Geschäfte.“ Dennoch, die Margen in diesem Business sind nicht sehr hoch, deshalb arbeiten nur vier Mitarbeiter im Laden. Zurzeit werden auch viele neue Produkte entwickelt, berichtet Stache. „Wir informieren uns gut über den Markt.“ Fotoimpex ist regelmäßig mit einem Messestand auf der photokina vertreten, der weltweit bedeutendsten Leitmesse für Fotografie. Eine Erkenntnis der letzten Messe war: Sofortbildfotografie ist wieder im Kommen. Fotoimpex hat die Kameras und die Filme dafür. Und eine gute Auswahl an Lomo-Kameras und weiteren analogen Fotoapparaten. Und das, was den Besuch im Laden zu einem Erlebnis macht: Begeisterung und umfassende Expertise in allen Bereichen der analogen Fotografie, künstlerisch und technisch. Die Leute bei Fotoimpex wissen genau, welche Chemie hinter 70er-Jahre-Sommerfarben steckt.